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Die Schizophrenie als Tugend

Als wir im Radio die Nachricht hörten, konnten wir es nicht glauben. Zu surreal, zu unvorstellbar war das Gehörte. Man nahm die Sätze zur Kenntnis, verstand sie auch inhaltlich, aber erst die Türklingel wenig später holte die Realität ins Bewußtsein. Die Erwachsenen redeten nicht viel. Sie saßen im Wohnzimmer und weinten. Wer an dem Abend redete, waren vor allem die Kinder. Vorsichtig umheräugend betrachteten sie das Reich ihrer Sehnsüchte und Ängste.

Und wie Kinder sind, plapperten sie munter drauflos, was ihnen die Propaganda in der Schule halt mitgegeben hatte. Von den vielen Rauschgiftsüchtigen, der Kriminalität, den „BMX-Banden“, welche die Bürger terrorisieren würden. Sie waren eben Kinder. Sie glaubten, was man ihnen sagte. Sie besaßen noch nicht diejenige Schizophrenie, welche sich der Bürger der Deutschen Demokratischen Republik zur Wahrung seines Verstandes aneignen mußte.

Die Unterscheidung zwischen Ideologie einerseits und dem Umgang mit der Lebenswirklichkeit andererseits, sie gehörte hier zum Grundgerüst des Daseins. Aus der Ideologie heraus sagte man das eine, glaubte sogar bis zu einem gewissen Maße daran, aber tatsächlich handelte man ganz anders. Das entrechtete und geknechtete Proletariat der ganzen Welt, formal lud man es zum Kampf gegen den Klassenfeind ein. Die ganze Welt zu sich, in die kleine DDR.

So war der ideologische Anspruch. Doch in der wirklichen Welt handelte man ganz anders. Wer hereingeholt wurde und in den Betrieben und Universitäten der DDR eine durchaus beachtliche Ausbildung genießen durfte, möglichst getrennt vom Volk und unter Beobachtung wollte man ihn halten, bis er nach vorgegebener Zeit wieder zurückkehren mußte. Dem Völkerverständigungskitsch der Propaganda zum Trotz war man an Vermischung nicht interessiert.

Das Gegenteil von bunt und weltoffen

Ja, in Wirklichkeit war der Sozialismus der DDR das Gegenteil von bunt und weltoffen. Es war eine geschlossene Gesellschaft, ideologisch hochgerüstet und intolerant gegen Abweichler. Ihre Elemente, bedingungslos unterordnen mußten sie sich. Dazu gehörte, sich öffentlich zur herrschenden Ideologie zu bekennen. Dieses Bekenntnis erfolgte, in dem man eine, aus dieser Ideologie heraus geborene Aussage, die aber offenkundig falsch war, als wahr bezeugte.

Es war die Schizophrenie des DDR-Bürgers, dessen Kinder vielleicht noch an die Wahrheit der Ideologie glaubten, er mit dieser aber als zynischer Lebenslüge umgehen mußte. Man wetterte gegen den „faschistischen Klassenfeind“, das heißt, gegen den eigenen Bruder im Westen, warf ihm eine Nähe zum Nationalsozialismus vor, war aber in Wirklichkeit selbst derjenige, der das alles in einer rigoros durchgreifenden Staatsmacht fortführte.

Freilich hatte das den nicht zu unterschätzenden Vorteil, daß man öffentliche Verkehrsmittel benutzen konnte, ohne von fremdem Jungvolk das Hirn aus dem Schädel getreten zu bekommen. Was aus der gegenwärtig herrschenden Ideologie heraus falsch ist. So verkehrt man die Wahrheit in eine Lüge: „Sorge bereitet uns auch die Gewalt: in U-Bahnhöfen oder auf Straßen, wo Menschen auch deshalb angegriffen werden, weil sie schwarze Haare und eine dunkle Haut haben.“

Das schizophrene Oszilieren zwischen Ideologie und Wahrheit, je nach Erfordernis,  es ist eine Tugend, die heute in der gesamten Bundesrepublik gefordert ist. Vielleicht erklärt das ein wenig den Aufstieg einstiger DDR-Funktionäre bis in die höchsten Spitzen dieses Staates. Die Propagandalügen der kleinen DDR über ihren großen Bruder, ein Vierteljahrundert später haben sie gute Aussichten, nun zur Wirklichkeit zu werden.

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