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Bunte Beschäftigungstherapie

Wir leben in unruhigen Zeiten. Aktuell sind es zwei Kriege im europäischen Erfassungsgebiet, die nicht zuletzt über eine Vielzahl von Eingewanderten auch in Deutschland ihren Wiederhall finden. Eigentlich also Stoff genug, könnte man meinen, um sich politisch irgendwie zu betätigen. Offensichtlich nur nicht in Bad Nenndorf. Dort war man an diesem Wochenende noch mit dem Wiederhall des Zweiten Weltkriegs und dessen politischer Bewältigung beschäftigt. Das geht dann so:

„Auf den Widerstand von über 1000 Antifaschisten sind 195 Neonazis am Samstag im niedersächsischen Bad Nenndorf gestoßen“, heißt es schneidig im Neuen Deutschland. „Seit 2006 treffen sich dort Rechtsextreme zu einem Marsch. Ihre Zahl schrumpft von Jahr zu Jahr.“ Vor vier Jahren seien es noch „über 1000 Neonazis“ gewesen. Die Proteste sollen weitergehen, „bis auch noch das kleine Häufchen der Rechtsradikalen aus dem Ort verschwindet“. Markige Worte, doch worum ging es eigentlich?

Psychologische Ferndiagnosen

Hier wird der Kriegsberichterstatter des Neuen Deutschlands etwas einsilbig. Die „Neonazis“ hätten einen angeblichen Trauermarsch zum Wincklerbad abgehalten. „Dort hatte die britische Besatzungsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg teils hochrangige Gefolgsleute des Hitler-Regimes verhört und auch mißhandelt.“ Was hat es damit auf sich? Auch die Springer-Presse hilft einem hier zwar nicht wirklich weiter, beweist aber die Fähigkeit zu erstaunlichen psychologischen Ferndiagnosen.

„Es kam in der Einrichtung auch zu Mißhandlungen. Nach Bekanntwerden entschuldigte sich Großbritannien dafür“, heißt es im Hamburger Abendblatt. Und der Platzhirsch bei Springer, die Bild, erläutert: „Historisch belegte Übergriffe von Briten auf Kriegsgefangene nehmen Rechtsradikale regelmäßig zum Anlass, NS-Verbrechen zu relativieren.“ Woher das Boulevardblatt weiß, daß die Teilnehmer damit den Nationalsozialismus verharmlosen wollen, bleibt ihr Geheimnis.

Wer aber hier verharmlost, das sind zweifelsohne jene Zeitungen von Neuem Deutschland bis Bild. Denn in Bad Nenndorf fanden nicht einfach „Mißhandlungen“ oder „Übergriffe“ statt, sondern die Einrichtung mit Tarnnamen „74 CSDIC“ gehörte zu einem System von britischen Folterlagern, die einen Vergleich mit NS-Einrichtungen nicht zu scheuen brauchen. So überlebte der kommunistische Jude Hans Habermann zwar das Konzentrationslager Buchenwald, nicht aber dieses Lager, wo man ihm gleich zu Beginn die Zähne ausschlug.

Blick in die Abgründe menschlicher Bestialität 

Dem Focus gelang es vor einem Jahr, ein Gespräch mit dem letzten Überlebenden dieses Folterlagers, Gerhard Menzel, zu führen. Es ist ein Blick in die Abgründe menschlicher Bestialität, die eben nicht nur unter den Bedingungen einer nationalsozialistischen Diktatur erblühen konnte. Auch das britische Empire ließ systematisch foltern, worauf zuerst der Journalist Ian Cobain hinwies. Bei seinen Recherchen zeigte er einen durchgehenden Traditionsstrang bis in die Gegenwart auf.

Es war eben nicht ein plötzlicher Kultureinbruch, der lediglich mit der Regierung des amerikanischen Präsidenten George W. Bush verbunden war und mit dieser nun aus der Welt geschaffen ist. Wenn sein Amtsnachfolger Barack Obama in diesen Tagen beiläufig einräumt, „wir haben ein paar Leute gefoltert“, so sollte diese lakonische Bemerkung nicht als Läuterung mißverstanden werden. Aber davon hat man in Bad Nenndorf wahrscheinlich nichts mitbekommen, das damit beschäftigt ist, „bunt statt braun“ zu sein. Dabei noch viel Spaß.

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