Von der Toleranz – Zweiter Teil

Jede Forderung nach Toleranz stößt daher an ihre natürliche Grenze. Es ist völlig einsichtig, daß es in einer jeglichen Gesellschaft irgendwo Grenzen für die Toleranz geben muß. Wenn in einer Gesellschaft der Mörder genauso toleriert wird, wie der gesetzestreue Bürger, dann hat diese Gesellschaft schlichtweg aufgehört zu existieren. Denn nur der Krieg ist grenzenlos tolerant. Die Forderung nach Toleranz ist daher unvollständig, wenn man nicht zugleich auch ihre Grenzen betrachtet.

Dann aber wird man feststellen, daß häufig diejenigen, welche beständig Toleranz einfordern, selbst der Gesellschaft ausgesprochen enge Grenzen setzen wollen, deren Überschreitung sie mit absoluter Intoleranz ahnden. Die größten Scheiterhaufen standen vor den Kirchen der Reformation, das sollte man nicht vergessen. Nicht anders ist es heute. Wer heute lautstark „Toleranz“ für irgendwelche Befindlichkeiten einfordert, ist selbst anderen gegenüber häufig am intolerantesten.

Beispielsweise ist es in Deutschland seit rund fünfzig Jahren zunehmend populär geworden, Toleranz für irgendwelche sexuellen Befindlichkeiten zu fordern. Wenn nun ein Mann in einer Gesellschaft nicht sagen darf, daß die Erde um die Sonne kreist, ist die Forderung nach Toleranz nachvollziehbar. Weitaus weniger aber, wenn sich ein Mann an den Geschlechtsorganen verstümmeln läßt und dann tief gekränkt ist, wenn ihn die Gesellschaft weiterhin nicht als „Frau“ anspricht.

Sie wissen nicht, was sie fordern

Dieser Mann, er kann es nicht ertragen, wenn es Menschen gibt, die ihn trotz des radikalen Eingriffs nicht anders als zuvor betrachten: Ein Mann, dem womöglich nicht nur zwischen den Beinen etwas fehlt, aber der dennoch ein Mann bleibt. Ähnlich verhält es sich mit den ganzen anderen sexuellen Befindlichkeiten, die nun im Laufe der Zeit an die Öffentlichkeit gespült werden und alle ihre Lobby finden. Sie alle fordern Toleranz und zeigen damit, daß sie überhaupt gar nicht wissen, was das ist.

Es wurde darauf hingewiesen, daß Toleranz ursprünglich nichts anderes heißt, als daß der Souverän eine abweichende Haltung duldet. Entweder ein deutscher Herrscher erlaubte seinen Untertanen, ein anderes religiöses Bekenntnis als er selbst zu besitzen. Dann war er religiös tolerant. Oder aber er erlaubte es nicht und war dann eben das Gegenteil. Wenn nun im Jahr 1969 der Paragraph 175 aufgehoben wurde, heißt das nichts anderes, als daß die Bundesrepublik Deutschland seit dieser Zeit hier tolerant ist.

Die Toleranz gegenüber irgendwelchen sexuellen Befindlichkeiten, sie existiert in Deutschland also schon seit fast fünfzig Jahren. Aber dennoch vergeht kein Tag, wo nicht irgendwo irgendeine Lobby „mehr Toleranz“ für irgendeine Unterleibs-Skurrilität fordert: Toleranz gegenüber Schwulen, Toleranz gegenüber Lesben, Toleranz gegenüber Lesben, die mal Männer waren, Toleranz gegenüber Männern, die Schafe lieben. Oder Knaben. Oder Behinderte. Oder was auch immer.

Diese ganzen Forderungen nach Toleranz kommen daher eigentlich fast fünfzig Jahre zu spät. Ginge es tatsächlich um Toleranz. Denn eigentlich fordert man nicht Toleranz, sondern Akzeptanz. Das aber ist etwas völlig anderes. Die Gesellschaft soll nicht einfach tolerieren, wenn Schwule ihre Neigungen ausleben – denn das dürfen diese längst – sondern sie soll es darüber hinaus gutheißen und sich freuen. Dann will man aber nicht Toleranz, sondern das Gegenteil, nämlich Intoleranz.

Es gibt auf der Welt nichts Intoleranteres als den Wunsch, einem Menschen die Möglichkeit zu nehmen, eine Sache schön und erstrebenswert, oder häßlich und abscheulich zu finden, sondern ihm das alles selbst vorzugeben. Das geht weiter als ein bloß äußerliches Verbot, das ist ein Terror, mit dem man dessen Innerlichkeit angreift. Das aber wollen die heutigen Marktschreier. Ihre vermeintliche Forderung nach Toleranz ist daher in Wirklichkeit krassester Ausdruck von Intoleranz.

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