Markus Krall Freiheit oder Untergang

 

Kleidung für Gewinner

Abercrombie & Fitch ist eine amerikanische Kleidungsmarke für Jugendliche. Noch nie gehört? Ich auch nicht, bis ich vergangene Wochen im Internet über einen sogenannten Shitstorm, also eine virtuelle Hetzkampagne, gegen diese Firma gestolpert bin.

Der Grund für den Haß: Abercrombie & Fitch macht keine Kleidung für Mädchen in Übergrößen, sondern sieht laut eigener Aussage ihre Zielgruppe bei den gutaussehenden, schlanken und erfolgreichen Menschen. In einem Interview sagte Firmenchef Mike Jeffries: „In jeder Schule gibt es die coolen und beliebten Kids, und dann gibt es da noch die nicht so coolen Kids. Wir wollen die coolen Kids.“ Und: „Sind wir ausgrenzend? Absolut!“

Abgesehen von dem Wort „cool“, klingt doch erst mal sympathisch, dachte ich. Doch für die Meisten bewirken Jeffries Wörter genau das Gegenteil: Weil Abercrombie & Fitch elitär sein möchte, ist die Firma für viele Menschen so etwas wie eine diskriminierende Nazi-Firma – mittlerweile ein Oberbegriff für alles, was angeblich intolerant oder exklusiv ist. Und im pseudodemokratischen Netzzeitalter ist die logische Konsequenz davon ein Shitstorm, also eine totalitär angehauchte Hexenjagd gegen diese Firma.

Gutmenschlicher Kampagnenfilm

Begonnen hat die Anti-A&F-Kampagne ein junger, unbekannter Drehbuchautor aus Los Angeles namens Greg Karber. Nachdem er gelesen hatte, daß Abercrombie & Fitch Kleidung mit Mängeln lieber verbrennt, als daß sie in die Hände der unteren Schichten und sozial Benachteiligten gelangt, veröffentlichte Karber einen polemischen Film gegen die Firma auf Youtube.

Darin fährt der Weltverbesserer mit einer Tüte voller A&F-Kleidung in schlechte Stadtteile und verteilt die Sachen an Arme und Obdachlose. Sein Ziel: Den Ruf von Abercrombie & Fitch dermaßen zu beschädigen, daß die Firma irgendwann nur noch als Obdachlosenmarke gilt.

Natürlich wird es nicht dazu kommen. Es kann sogar sein, daß der provokante Versuch von Abercrombie & Fitch, sich als ausgrenzende Elitemarke zu profilieren, dank Karber doch nicht in die Hosen geht, sondern sich letztlich für die Firma positiv auswirkt. Denn so viel Aufmerksamkeit schaffen meistens eben nur negative PR-Kampagnen.

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