Die scheinheilige CDU

Seit dem Grünen-Parteitag am 17. November und der Wahl von Katrin Göring-Eckardt zur Spitzenkandidatin der Partei für die kommende Bundestagswahl wird viel spekuliert: Die Grünen seien bürgerlicher geworden, flirteten mit der Union und liebäugelten schon mit einer schwarz-grünen Koalition, hätten sie doch nun eine gläubige Christin an ihrer Spitze.

Solche Koalitionspläne wurden natürlich schnell von den Grünen dementiert. Und auch die Union hat deutliche Worte gegen ein solches Bündnis gefunden: Für CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt zum Beispiel ist eine Bündnis mit den Grünen „unvorstellbar“.

Die Behauptung, die Grünen seien bürgerlich geworden, sei „Etikettenschwindel“, sagte Dobrindt dem Tagesspiegel. In Wahrheit seien die Grünen „zutiefst antibürgerlich“. Außerdem verharmlosten sie Christenverfolgung, wollten islamische Feiertage einführen, seien für die Homoehe und sowohl gegen die Familie als auch die abendländischen Werte.

Auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe kritisierte das neue Image der Grünen in der Welt: „Es ist unaufrichtig und doppelzüngig, wenn die Grünen Kirchenfreunde ins Schaufenster stellen, in der Programmwerkstatt aber erbitterte Kirchengegner den Ton angeben.“

„Der Islam ist ein Teil von uns“

So sehr man sich in Zeiten der parteipolitischen Einförmigkeit über die Attacken auf die Grünen freuen kann, wirklich glaubhaft ist das Geplänkel der CDU in Sachen Christentum nicht. Denn wo bitte schön sind die Christdemokraten heute noch christlich?

In den vergangenen Jahren haben sie ihren Namen selbst langsam aber sicher ausgehöhlt und sich vom C verabschiedet. Oder war es nicht ein Christdemokrat, der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, der gesagt hat, der Islam gehöre inzwischen auch zu Deutschland? Und war es nicht die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die vor kurzem über den Islam sagte: „Wir sollten da ganz offen sein und sagen: Ja, das ist ein Teil von uns“?

Papst-Schelte der Kanzlerin

Und war es nicht Merkel, die sich permanent vor allen anderen Religionen verbeugt – außer vor der eigenen – die meinte, 2009 den Papst wegen der Gespräche mit der Pius-Bruderschaft öffentlich zu rügen? Schließlich hatte ein Bischof der Bruderschaft Zweifel an der offiziellen Darstellung des Holocaust geäußert – und damit die in Deutschland über dem Christentum stehende Zivilreligion in Frage gestellt.

Die CDU hat sich in den vergangenen Jahren Stück für Stück von den christlichen Werten verabschiedet. Statt dessen versucht sich das Konrad-Adenauer-Haus als moderne Großstadtpartei neu zu erfinden. Die Anerkennung der „gleichgeschlechtlichen Partnerschaft“ im Parteiprogramm, daran ändern auch die aktuellen Phrasen gegen die Homoehe nichts, und die Preisgabe des Lebensschutzes sind nur zwei Beispiele. Verteidigung der traditionellen Familie als Fundament unserer Gesellschaft? Fehlanzeige! Christliche Werte als Grundlage der eigenen Politik? Bei der Union sucht man sie, abgesehen von ein paar regelmäßigen Alibiäußerungen, vergeblich.

Die sogenannten Christdemokraten unterscheiden sich von den ach so „doppelzüngigen“ und „unaufrichtigen“ Grünen im politischen Alltag so gut wie gar nicht. Schlimmer noch, im Gegensatz zu den Grünen, die keinen Hehl daraus machen, wohin sie dieses Land führen wollen, klaffen bei der Union Anspruch und Wirklichkeit meilenweit auseinander. Die Politik der CDU läßt sich mit einem Wort auf den punkt bringen: scheinheilig!

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