Jeder Tag ist ein Hitler-Tag

„Neulich, in der Hölle, soll A. Hitler von Mao und Stalin neidisch gefragt worden sein: Wie machst Du es bloß, daß Du andauernd in den Schlagzeilen bist?“ (Michael Klonovsky)

Der einzige Mensch, der scheinbar nie uninteressant wird

Nun, der GröFaZ macht es gewißlich nicht selbst. Abgesehen von schlichter Absatzgeilheit (denn Sex, Gewalt und Hitler verkaufen sich immer!) ist es nicht zuletzt auch ihr volkspädagogischer Auftrag, der die Medien immer wieder in Hitlers Arme treibt.

Auch, wenn sie das natürlich niemals zugeben würden. Immerhin muß „Aufklärung“ geleistet werden, „damit so etwas nie wieder passiert“ und so weiter und so fort ad nauseam.

Quantität vor Qualität

Nicht allein werden die zahllosen „Dokutainment“-Exzesse beispielsweise eines Guido Knopp über kurz oder lang sämtliche zu Zeiten der NS-Herrschaft in (Groß)Deutschland lebenden Menschen abgedeckt haben. Nicht allein wird man dereinst mit all den Spiegel-Titelseiten, die den wohl berühmtesten Sohn Österreichs zeigen, eine Mittelklassewohnung tapezieren können.

Noch viel wichtiger – da fachliche Artikel von Historikern weder erwünscht noch erschwinglich sind, um sie in derartiger Schlagzahl auf die Öffentlichkeit loszulassen – ist es, völlig absurde Geschichten aus aller Herren Länder hervorzukramen. Einerseits, weil der gemeine Umerzogene schon bei der reinen Lektüre des Namens „Hitler“ in konvulsische Zuckungen der Scham verfällt. Andererseits, weil die Surrealität solcher Artikel die Erinnerung an sie unterstützt.

Journalistisches Kuriositätenkabinett

Ein oberflächliches Nachsuchen läßt schnell vermuten, in mancherlei Redaktionsstuben würde anstelle des in jener bösen Zeit üblichen „Wenn einer von uns zweifeln will / Der Andere gläubig lacht…“ ein an prominenter Stelle angebrachtes, für jeden sichtbares „Unseren täglichen Hitler gib uns heute!“ prangen.

Den Chefredakteuren – primär in der Bundesrepublik und in Österreich – scheint wirklich gar nichts zu peinlich zu sein, um nur ja „uns‘ Adolf“ wie eine Monstranz vor sich herzutragen. Ob es nun protonazistische Kletterrouten, faschistoide Infiltration von Kinderzeitschriften, Rasseforschung an Hitlers Verwandten oder die ewigen Geschichten seines Überlebens sind: Man möchte meinen, daß der „Führer“ heutzutage medial um Dimensionen stärker präsent ist als zu Lebzeiten.

Böse Absicht? Ja. Und blanke Dummheit

Herzlichen Glückwunsch dazu an die ewige Bewältigung, die das journalistische Jonglieren mit den Worten „Hitler“, „Nazi“ etc. so unheimlich lukrativ macht. Darüber hinaus kann man offenbar inzwischen selbst seine Reisekosten senken, wenn man sich nur adäquat betroffen zeigt. Immerhin wird inzwischen zumindest in etlichen belletristischen Werken der Tod des transzendenten Hitler-Zombies gefordert.

Er ist bitter notwendig, damit der Bruch des moralischen Rückgrats dieser Nation ausheilen kann. So ist auch abschließend Michael Klonovsky mit seinen bösartigen Zeitgeistdiagnosen zu zitieren: „Hitler unser, der du bist im Orkus / Verfluchet werde Dein Name / Dein Reich sterbe / Dein Wille vergehe / Wie im Print, so täglich im Fernseh’ / Und unser Einkommen gib uns auch heute / Und erhalt uns die deutsche Schuld / Wie auch wir nie vergeben unseren Vorfahren / Und führe uns nicht in Verdrängung / Sondern erlöse uns nie von dem Bösen. Amen.“

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