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„Google den mal“

In den Weiten des Internets gibt es weißgott mehr als genug Möglichkeiten zur Selbstdarstellung. Gerade Jugendliche sind mittlerweile mehr als professionell darin, sich mittels virtueller Versatzstücke zu profilieren.

Entweder man selbst…

Der Eine ist aktiv in jedem „sozialen Netzwerk“, das es nur gibt – gerne auch mit mehreren Benutzerkonten gleichzeitig, um seine eigenen Bilder und Wortmeldungen positiv bewerten und kommentieren zu können. Ist er ein wenig alternativer angehaucht, läßt er sich vielleicht auch von irgendeiner „Initiative“ dafür bezahlen, stundenlang herumzusurfen und sich darum zu kümmern, daß Menschen, die zugeben, Oswald Spengler zu lesen oder sich zum Neuheidentum bekennen und ihr Nutzerprofil mit Runen schmücken, baldestmöglich gelöscht werden. Oder er notiert sich in guter, alter Tradition schlicht ihre Namen; damit läßt sich sicher die eine oder andere „Outing“-Seite schmücken, und man darf sich im Anschluß „engagiert“ und „zivilcouragiert“ nennen.

… oder andere stehen im Fokus.

Der Andere installiert auf einem öffentlichen Computer der Schule einen „Keylogger“, der die eingegebenen Paßwörter speichert und verschickt. Im stillen Kämmerlein zuhause schnüffelt er sich dann durch die E-Post- und „Facebook“-Korrespondenzen seiner Mitschüler und wird angesichts pikanter Details ganz zappelig. Die eine oder andere Kunde wird sich schon unauffällig an der Schule streuen lassen. Ansonsten findet man ja sowieso über jeden Menschen dank „Google“ und anderer Suchmaschinen (so man sie denn zu bedienen weiß) mehr im weltweiten Netz, das niemals vergißt, als man jemals wissen wollte. Später, sofern er sein Abitur besteht, kann er dann auf dem Campus jungen Menschen, die sich mit einem als „politisch unzuverlässig“ geltenden Kommilitonen haben sehen lassen, vorwerfen: „Was redest Du denn mit dem? Weißt Du nicht, wer das ist? Google den mal, das haben alle schon gemacht!!!“ Ähnlichkeiten zu lebenden Personen sind natürlich rein zufällig.

Der hohlen Fassade entgegen…

Doch es geht auch anders. Gerade in Internetforen, die sich einem sehr enggesteckten Themenspektrum zuwenden und gewisse Mindestanforderungen an ihre Mitglieder stellen, findet manchmal ein durchaus anderes Publikum zueinander. Am vergangenen Wochenende besuchte ich das Nutzertreffen eines solchen Forums, das ansonsten stets großen Wert auf die Anonymität aller Beteiligten legt. Einerseits war es faszinierend zu sehen, wie einander wildfremde Menschen sofort eine gemeinsame Gesprächsbasis fanden, obgleich sie aus vollkommen unterschiedlichen „Szenen“, „Subkulturen“ und „sozialen Verhältnissen“ stammten. Auf der anderen Seite stellte sich schnell heraus, daß beinahe alle Versammelten sich bereits in anderen Zusammenhängen, immer jedoch über das Internet, kennengelernt hatten.

… im Bunde statt für sich!

Es läßt sich problemlos konstatieren, daß das Internet der zwischenmenschlichen Kommunikation ein Desaster nach dem anderen beschert. Auch die Oberflächlichkeit hat durch die Selbstinszenierung in Kürze ungeahnte Höhen erreicht. Doch diese ewige Krakeelerei nützt gar nichts und verkennt auch die dem Medium innewohnenden Möglichkeiten. Schon rein statistisch muß es passieren, daß sich in den gigantisch aufgeblähten sozialen Netzwerken Gleichgesinnte finden müssen. Frei nach Ernst von Salomon: „Langsam fanden sich einige zwanzig Mann. Die erkannten sich an einem Netzverweis, an der Wortwahl, an Zitaten. Die wußten voneinander, daß sie zusammengehörten…“

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