England
 

Unruhen in England halten an / Drei Tote in Birmingham

MANCHESTER. Die Gewaltwelle, die seit einigen Tagen englische Städte erschüttert reißt, nicht ab. Während es in London nur zu vereinzelten Zwischenfällen kam, griffen die Unruhen auf weitere Städte über. So randalierten mehrere Hundert vermummte Personen in Manchester und plünderten zahlreiche Geschäfte, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

Die Sicherheitskräfte nahmen mehr als 100 Personen fest. Die Polizei sprach von den schwersten Krawallen seit 30 Jahren. „Das sind ganz einfach Verbrecher, die heute Nacht durchdrehen.“ Die Zahl der inhaftierten Personen stieg seit Beginn der Unruhen am vergangenen Wochenende im Londoner Stadtteil Tottenham auf mehr als 1.000.

Auch aus Wolverhampton, West Bromwich, Nottingham, Leicester, Bristol und Liverpool wurden Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Randalierern gemeldet. In Nottingham setzten mehrere Dutzend Jugendliche eine Polizeistation in Brand. Auch in Cloucester kam es zu Ausschreitungen. Dabei wurden mehrere Feuerwehrfahrzeuge angezündet.

Drei Tote in Birmingham

Wie der Daily Telegraph berichtet sollen in Birmingham am Rande von Ausschreitungen drei Menschen ums Leben gekommen sei. Die muslimischen Männer hatten offenbar versucht, ihr Viertel vor Randalierern zu schützen. Während sie ihre Moschee und eine Tankstelle beschützten, sollen die zwischen 20 und 31 Jahre alten Opfer von einem Auto gezielt mit einer Geschwindigkeit von mehr als 80 Kilometern pro Stunde angefahren worden seien, berichten Augenzeugen.

Die Polizei nahm einen 32 Jahre alten Mann fest, wollte sich zur Identität des mutmaßlichen Täters jedoch nicht äußern.Vor dem Krankenhaus in dem die Opfer behandelt wurden versammelten sich etwa 200 aufgebrachte Personen. Ein Verwandter eines der Toten sagte: „Sie haben nur versucht die Arbeit zu tun, die die Polizei nicht getan hat.“

Bereits gestern war ein 26 Jahre alter Mann in London an den folgen einer Schußverletzung gestorben.

In London blieben die befürchteten Krawalle weitgehend aus. Mehr als 16.000 Polizeibeamte sicherten die britische Hauptstadt. Viele Ladenbesitzer hatten ihre Geschäfte verbarrikadiert. Im Stadtteil Southall versammelten sich Hunderte Sikhs um einen ihrer Tempel zu schützen.

English Defense League will gegen Randalierer vorgehen

Die „English Defense League“ kündigte an, mehr als 1.000 ihrer Mitglieder würden in den nächsten Tagen ausrücken, um weitere Ausschreitungen zu verhindern. EDL-Führer Stephen Lennon sagte der Nachrichtenagentur AP, er könne nicht garantieren daß es dabei nicht zu Zusammenstößen mit randalierenden Jugendlichen kommen könnte.

Premierminister David Cameron will mit einem massiven Polizeieinsatz weitere Krawalle verhindern. Am Donnerstag soll deswegen das britische Unterhaus zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um über weitere Maßnahmen zu beraten.

Innenminister Friedrich sieht keine Gefahr für Deutschland

Unterdessen betonte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), in Deutschland gäbe es derzeit keine Gefahr ähnlicher Ausschreitungen. „Solche gesellschaftlichen Spannungen wie aktuell in England oder in anderen europäischen Ländern haben wir glücklicherweise derzeit nicht“, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Deutschland habe den Konsens erreicht, daß Gewalt gegen unbeteiligte Personen kein Mittel sei, mit dem man seine politischen oder sonstigen Ansichten durchsetze.

„Diesen Konsens aufrechtzuerhalten und auf die Jugendlichen zu übertragen, bleibt die Erziehungsaufgabe unserer Gesellschaft, von allen Lehrern, Eltern und Vereinen.“ (ho)

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