Zeitgeist oder Heiliger Geist?

Einen „Parteitag des Zeitgeistes“ hat der Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, Prälat Wilhelm Imkamp den zweiten Ökumenischen Kirchentag in München genannt. Tatsächlich erwarten konservative Christen schon lange nichts mehr von den Katholikentagen oder Kirchentagen, bei denen sich Politiker und andere zeitgeistkonforme Vertreter des öffentlichen Lebens ein Stelldichein geben, aber unbequeme christliche Botschaften wie etwa der Schutz des ungeborenen Lebens außen vor bleiben müssen.

Die Minimalforderung, damit solch eine ökumenische Veranstaltung einen Sinn hätte, müsste sein, daß das entscheidend Christliche herausgestellt und die Menschen in ihrem Glauben bestärkt würden. Genau das geschah hier ebenso wenig wie noch beim ersten Ökumenischen Kirchentag 2003, bei dem der Auftritt des Dalai Lama als Höhepunkt galt.

Eine Stärkung des christlichen Glaubens kann nicht erwartet werden von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), der schon gleich einen „interreligiösen Kirchentag“ forderte. Natürlich fehlten auch nicht Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) und Bundespräsident Horst Köhler, der als evangelischer Christ sofort der katholischen Kirche Ratschläge gab, wie diese sich reformieren solle.

Käßmann als von den Medien umjubelte Star

Aber der von den Medien umjubelte Star dieser Veranstaltung war natürlich die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann, die als besonders treffsicheres Sprachrohr des Zeitgeistes bekannt ist. In der ehemaligen Bischofkirche des heutigen Papstes nannte sie die Pille ein „Geschenk Gottes“ und brachte damit ihre geburten- und lebensfeindliche Einstellung zum Ausdruck.

Gleichzeitig verschwieg sie die heute bekannten gesundheitlichen Gefahren der Pille und wandte sich gegen die katholische Lehre, wie sie in der Enzyklika „Humanae vitae“ dargelegt ist. Um ihre politische Korrektheit erneut zu beweisen, hat Frau Käßmann dann noch ein Fußballfest gegen Rassismus und Diskriminierung eröffnet.

Natürlich hat auch der altgediente Papstkritiker Hans Küng sein Podium erhalten, auf dem er eine zweite Reformation forderte inklusive Abschaffung des Weihepriestertums und Aufhebung des priesterlichen Zölibats. Der suspendierte Priester Gotthold Hasenhüttl, der sich dennoch als katholischer Priester vorstellte, feierte indes mit einem pensionierten evangelischen Pfarrer verbotenerweise ein gemeinsames Abendmahl.

Verunsicherte Priesteramtskandidaten

War schon diese von Kirchensteuergeldern finanzierte Veranstaltung in München alles andere als eine Stärkung der Christgläubigen in einer heute ohnehin oftmals feindlichen Umwelt, so wurden zeitgleich Priesteramtskandidaten verunsichert durch die Forderung des Bamberger Bischofs Ludwig Schick nach Aufhebung des Zölibats. Ähnlich äußerte sich auch Bestsellerautor Pater Anselm Grün.

Wie recht hatte doch Nicolás Gómez Dávila als er schrieb: „In der Absicht, der Welt die Arme zu öffnen, öffnet die Kirche ihr die Beine.“ Im Internet-Magazin The European stellte der Schriftsteller Martin Mosebach kürzlich fest: „Das Experiment des „Aggiornamento“, der Angleichung der Kirche an die säkulare Welt, ist auf furchtbare Weise gescheitert.“

Auch daran dachte wohl Papst Benedikt XVI., als er dieser Tage im portugiesischen Fatima sagte: „Die größte Verfolgung der Kirche kommt nicht von den äußeren Feinden, sondern erwächst aus der Sünde in der Kirche.“ Und am selben Tag bei einer anderen Gelegenheit: „Man hat ein vielleicht zu großes Vertrauen in die kirchlichen Strukturen und Programme gelegt, in die Verteilung der Macht und der Aufgaben; aber was wird geschehen, wenn das Salz schal wird?“

Die Kirche darf nicht dem Zeitgeist verfallen. Ihre Aufgabe ist es, ein Gegenprogramm darzulegen: das des Heiligen Geistes. Am Pfingstfest feiern wir die Herabkunft dieses Geistes Gottes und damit die Geburt der Kirche. Da die Kirche mehr ist als Menschenwerk, sind wir aufgerufen, um diesen Heiligen Geist zu beten und uns für sein Wirken zu öffnen.

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