Lager Delta

Früher gab es ein häßliches Amerika, ein gieriges Imperium, das von einem weißen Kriegsherrn in ein militärisches Abenteuer nach dem anderen verwickelt wurde. Projektionsfläche für alles, was hierzulande ein linksalternativer Spießer an der Welt nicht mag. Aber dann wurde uns eine farbige Lichtgestalt geschickt und eine Zeit des Friedens und der Herrlichkeit brach an, oder so ähnlich.

Natürlich ist das Phantasiedenken, wie man es in Deutschland häufiger findet. Wegen drohender Monotonie wurde lediglich das Bühnenprogramm geändert. Sahen wir zuvor ein Theaterstück über den Heldenkampf indigener Völker gegen Haliburton & Co., so wird nun eine Art Soul-Konzert mit lauter total sympathischen Menschen aufgeführt. Die Bühne ist selbstverständlich gleich geblieben. Man merkt es an der Langlebigkeit mancher Kulisse.

Schon seit anderthalb Jahren herrscht nun der amerikanische Combo-Führer über den Militärstützpunkt an der Guantanamo-Bucht und damit auch über das berüchtigte Lager Delta. Irgendwie doch etwas peinlich, weshalb er es nächstes Jahr auflösen möchte. Seitdem wirkt Barak Obama wie der Grünen-Politiker Jürgen Trittin, der 1998 auf einmal als Bundesumweltminister auf Fässern mit Atommüll herumsaß.

Ursprünglich rein amerikanische Angelegenheit

Bis dahin konnte man sich die Sache noch aus der Ferne anschauen. Doch leider gibt es in Deutschland einige, die ihre Bedeutungslosigkeit dadurch zu kompensieren trachten, indem sie sich ihrem „Weltpräsidenten“ andienen. Schon vor zwei Jahren verkündeten die Grünen-Politiker Volker Beck und Hans-Christian Ströbele, daß „mehrere Dutzend Gefangene“ sofort freigelassen werden könnten, würde sich ein Aufnahmeland finden.

Generös erklärten die beiden, daß Deutschland dazu die „humanitäre Verpflichtung“ habe. Was für eine großartige Geste. Sie läßt es verschmerzen, daß bei soviel Edelmut wohl leider nichts mehr für den Verstand übrig geblieben ist. Jedenfalls vergaßen die beiden zu begründen, warum denn nicht das Einwanderungsland Amerika mit seinen dreihundert Millionen Einwohnern „mehrere Dutzend Gefangene“ sofort aufnehmen könne.

Vielleicht, weil es einen Grund für dieses Lager gibt? Immerhin wurden inzwischen etliche Häftlinge nach ihrer Freilassung wieder als islamische Gotteskrieger aufgegriffen. Aber egal, eine großartige Geste bleibt es allemal. Das Dutzend islamischer Uiguren hatte uns letztes Jahr der Inselstaat Palau weggeschnappt, der zwar auch ein Vasall der Vereinigten Staaten ist, allerdings dafür auch Geld bekommt. Aber dieses Jahr hat es geklappt. Begrüßen wir daher Ahmed al Shurfa und Mahmud Mutlak al Ali in unserer Mitte. Beide gelten laut Medienberichten psychisch als ausgesprochen labil. Das gibt sicher noch viel Spaß.

„Wir werden keine Terroristen ins Land holen“

„Wir werden keine Terroristen ins Land holen“, gelobte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) der Bild-Zeitung. Was wohl heißen soll, daß die Männer ihre militärische Ausbildung noch nicht abschließen konnten, zu deren Zweck sie ja nach Afghanistan gereist waren. Aber das kann zumindest einer der beiden jetzt in Hamburg nachholen. Der andere wurde in eine geschlossene psychiatrische Anstalt in Rheinland-Pfalz überwiesen.

Der dortige Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) erklärte auf einer Pressekonferenz, daß der ehemalige Lagerhäftling in der Anstalt jetzt erst einmal „psychisch aufgebaut werden“ soll. Offensichtlich so eine Art neuer Mensch, wie es schon in anderen Psychiatrien versucht wurde. Obwohl es „keine Anhaltspunkte für eine Gefahr“ gäbe, hieß es weiter, geschehe die Unterbringung in der Psychiatrie auch zum Schutz der Bevölkerung.

Persönlich sehe ich mehrere Anhaltspunkte, die durchaus auch die Unterbringung von Bruch rechtfertigen würden. Immerhin bringt er es fertig, sich in einem einzigen Atemzug selbst zu widersprechen. Aber das ist eigentlich nicht nötig. Schon seit geraumer Zeit hege ich den Verdacht, mich in einem riesigen Lager zu befinden, selbstorganisiert von Irren und unter amerikanischer Militärverwaltung. Vielleicht steht unser Länderkennzeichen ja in Wirklichkeit für Delta?

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