Impressionen aus dem Jahr 2030

Ein kleiner Überblick über das, was noch kommt:

Mittwoch, 1. Mai 2030

Bei den Feierlichkeiten zum 1. Mai ist es in der Hauptstadt der wiedervereinigten BRDDR („Bundesrepublik der demokratischen Hirn-Rückführungsmaßnahme"), Potsdam, zu Konflikten zwischen sozial benachteiligten Jugendlichen und Polizisten gekommen.

„Am Rande der überwiegend friedlichen Demonstrationen“, wie einige Medien formulieren, flogen drei Polizeireviere nach Sprengstoffanschlägen in die Luft; einige „Neonazis“ wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Die Regierung lobte die Besonnenheit der Demonstranten.

Donnerstag, 2. Mai 2030

Der Klimawandel zeigt immer schlimmere Folgen: nachdem die Temperaturen jüngst unter 40 Grad minus gesunken sind, ist die Zahl der Kältetoten erheblich gestiegen. Die Kanzlerin der BRDDR erhob daher schwere Vorwürfe gegen das kapitalistische Ausland.

So führe die teilweise Beibehaltung des Privateigentums in den feindlich-negativen USA dazu, daß die Zahl der Eisläden rasant zunehme, was ja wohl eindeutig der Grund für die fatale Erdabkühlung sei. „Die USA sind die Öko-Ferkel des Planeten!“, schimpfte Umweltministerin Charlotte Roche, die in einer Umfrage der Parlamentszeitschrift „Die Anstalt“ zur kompetentesten Ministerin des vergangenen Jahrzehnts gewählt wurde.

Freitag, 3. Mai 2030

Zur Rettung der Währung „Welto“ beschließt die Bevölkerungskammer einen fünf Billionen Welto schweren, alternativlosen Rettungsschirm für Afrika, Südamerika und mit besonders großem Anteil für Israel. Kritiker befürchten als Folge den drohenden Staatsbankrott Deutschlands binnen drei Wochen. Am Stammtisch behauptet man, Israel sei selbst schuld an seinem Staatsbankrott und dürfe deshalb nicht geholfen werden.

So habe besonders das staatlich finanzierte Prestige-Großprojekt „Bordell City“ mit der Beschäftigung von 20 Millionen verbeamteten Huren in Tel Aviv erheblich zum Staatsbankrott beigetragen. „Rechtspopulismus“ und „Antisemitismus“ nannte die Wahrheitsministerin dieses Argument. Für Heiterkeit in der Bevölkerungskammer sorgte sie mit der Bemerkung, Israel würde schließlich das Selbe für Deutschland tun, wenn es in eine solche Situation käme.

Samstag, 4. Mai 2030

Skandal in Bayern: ein Metzger soll wegen des Anteils der Transferempfänger an der Gesamtbevölkerung von 95 Prozent von „Ausbeutung des Mittelstands“ gesprochen haben. Er wurde umgehend samt Familienangehöriger zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Anklage lautete auf „Vorbereitung von falschen Gedanken“ sowie „generell nicht gefestigtem Geschlechts-Standpunkt“.

Es könne nicht sein, daß fünf Prozent Zwangsarbeiter die LCD-Fernseher des Rests der Bevölkerung finanzieren, so der Übeltäter. „Widerliche, zynische, menschenverachtende Hetze“, kommentierte Wahrheitsministerin Claudia Roth die Entgleisung. Außerdem decke sich sein Geschwafel nicht mit den Fakten. So sei der Hartz-VI-Regelsatz doch in letzter Zeit ständig gesunken. Während er im letzten Jahr noch 2.000 Welto betragen habe, liege er heuer nur noch bei kläglichen 1.900 Welto.

Sonntag, 5. Mai 2030

Aus dem Protokoll der Bevölkerungskammer:

Kanzlerin Merkel: „Und nun, meine Damen und Geschlechtsfeinde, einige Worte zu den Vorwürfen, ich hätte in der Wirtschaftspolitik meine Überzeugung aus der BRD-Zeit aus opportunistischen Gründen geändert. Meine Damen und Geschlechtsfeinde: ich würde mich doch niemals auch nur irgendwie opportunistisch verbiegen, nur um mich in jedem sich gerade anbietenden System bequem einzurichten!“

Vizekanzlerin Sarah Wagenknecht: [Gelächter.]

Geschichts-Bewältigungsminister Thomas Krüger: „Gründen wir eine Weltzentrale für politische Bildung!“

Merkel: „Und um gleich eines klarzustellen: der Wechsel vom Hosenanzug zum Kopftuch fiel mir rein mental gesehen nicht schwer!“

Geschmacksminister Dieter Bohlen: „Angie, du singst nicht mehr bei DSDS“.

Montag, 6. Mai 2030

Im Rahmen der Bildungsreform der Bundesregierung ist die Zwangs-Einweisung von der Staatskrippe bis zum Altenheim in staatliche Erziehung beschlossen worden. Zudem kommt man künftig nur noch mit einem Empfehlungs-Schreiben der GEW in den Bundestag. Dies soll verhindern, daß unseriöse und eventuell feindlich-negative, intellektuellenfeindliche Kräfte ins Parlament drängen.

Bundesbildungsministerin Margot Honecker (103) gab zu, daß es im Bildungsbereich trotz der ständigen schier unendlichen Fortschritte noch immer Nachholbedarf gebe, so liege die Quote des Analphabetismus in der Bevölkerung bei 60 Prozent. Außenpolitisch müsse man die militärischen Anstrengungen verstärken, um auch im nahen Osten die „schulische Demokratie“ verwirklichen zu können.

Mittwoch, 8. Mai 2030

Am Nationalfeiertag der BRDDR wird in Auschwitz ein Holocaust-Gedenk-Gebetshaus mit einem Göttinnendienst eröffnet. Die heutige Zwangskollekte wird in einen braunen Zylinder geworfen, sie soll dem weiteren Ausbau des „Kampf gegen Rechts“ dienen.

„Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele raus aus Auschwitz springt!“, sagte die Versöhnungs-Zentralrätin der Regierung. Nach der Kollekte wurde die Veranstaltung mit dem Absingen der letzten zwei Zeilen der dritten Strophe des umgeänderten Deutschländerinnenliedes beendet.

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