Fragen, die hinterfragbar sind

Für deutsche Jugendliche verliert die Religion immer mehr an Bedeutung. Bei Jugendlichen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR spielt sie so gut wie gar keine Rolle mehr. Im Gegensatz dazu bezeichnen sich unter den vorwiegend muslimischen Migranten mehr Jugendliche als religiös als noch vor vier Jahren.

So läßt sich das Ergebnis der am Dienstag veröffentlichten Shell-Jugendstudie 2010 in religiöser Hinsicht zusammenfassen. Das Christentum ist auf dem Rückzug und der Islam auf dem Vormarsch. Das überrascht niemanden, der mit offenen Augen durch unser Land geht.

Und doch läßt sich durch Umfragen und Statistiken auch wunderbar das Meinungsklima im Land beeinflussen. Dies haben Winston Churchill („Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“) und Elisabeth Noelle-Neumann („Die Schweigespirale“) gleichermaßen erkannt. Die in der Studie gestellten Fragen müssen daher hinterfragt werden.

Religion wird nur sehr dürftig angesprochen

Während in den Bereichen Umwelt, Familie und Freizeit ein üppiger Fragenkatalog abgearbeitet wird, wird die Religion nur sehr dürftig angesprochen und schon dadurch eine schwindende Relevanz dieses Themas suggeriert. Gefragt nach dem Glauben an einen Gott „oder ähnliches“, konnte der Jugendliche nur mit ja, nein oder „weiß nicht“ antworten.

Nach der Bedeutung der Kirche gefragt, konnte der Jugendliche zwischen drei Antworten wählen: „Ich finde es gut, daß es die Kirche gibt.“ „Die Kirche muß sich ändern, wenn sie eine Zukunft haben will.“ „Auf Fragen, die mich wirklich bewegen, hat die Kirche keine Antwort.“

Hätte man hier nach den Erfahrungen der Jugendlichen mit der eigenen Pfarrgemeinde, dem Ortspfarrer oder anderen kirchlichen Mitarbeitern gefragt, hätte man sicherlich positivere Ergebnisse erzielt. Weiter hätte man die Jugendlichen nach ihrer Meinung zu den Weltjugendtagen oder von Jugendlichen gestalteten Gebetsnächten, sogenannten Prayer-Festivals (hässliches Wort – gute Sache) fragen können.

Durch die Auswahl der Fragen und vor allem der zur Verfügung stehenden Antworten, läßt sich eben auch (Kirchen-)Politik betreiben. Derzeit scheint diese Methode sogar ganz groß in Mode zu kommen. So legte kürzlich der als sehr progressiv geltende Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner das Ergebnis einer Umfrage vor, der zufolge die Mehrheit der österreichischen Priester eine Aufhebung des Zölibats und die Zulassung von Frauen zum Weiheamt wünscht.

Status Quo wird als restriktiv wahrgenommen

Auch die kritisch-katholische Zeitschrift Christ in der Gegenwart führt gerade eine Umfrage über das Priestertum durch. Schon die Tatsache, daß in erster Linie die linkskatholische Leserschaft dieser Zeitschrift hier ihre Meinung abgeben wird, lässt jetzt schon das Ergebnis erahnen.

Doch auch die Manipulation durch die vorgegebenen Antworten ist unübersehbar. Sollte man „nur“ zölibatär lebende Männer zum Priestertum zulassen? Oder auch verheiratete Theologen? Auch in Familie und Beruf bewährte Männer? Auch Frauen? Unwillkürlich wird der Status Quo als restriktiv wahrgenommen.

Bei den im Fragebogen genannten Aufgaben des Priesters wird kaum jemand „Kultdiener“, „Vertreter der Hierarchie“ oder „Morallehrer“ ankreuzen. Der Fragesteller hat schon von vorneherein den Bereich des Gottesdienstes und der Morallehre sowie die Romtreue durch karikierende Wortwahl der Lächerlichkeit preisgegeben und damit signalisiert, welchen Priestertyp er selbst favorisiert.

Fazit: Hüte dich vor Umfragen mit vorgegebenen Antworten!

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