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Zum Schießen

Irgendwo in Ost-Holstein gibt es eine Kaserne. Und irgendwo dort in der Nähe eine achte Hauptschulklasse. Sie hat diese Kaserne mitsamt Lehrer an einem „Tag der offenen Tür“ besucht. Das ist eine feine Sache. Der Klassenlehrer lobte den Besuch sogar ausdrücklich bei seinem Direktor.

Doch im nachhinein geriet eine finst’re Wahrheit ans Licht. Einige wenige Eltern erfuhren durch Erzählungen ihrer Kinder, daß einer der Soldaten – ein Oberstabsfeldwebel – vor den Schülern martialische Dinge von sich gab: Der Anti-Pazifist stellte ihnen einen Schieß-Simulator vor und sagte tatsächlich, dieser sei tausendmal besser als jedes Spiel auf der Konsole zu Hause. Erwischt!

Endlich mal was los

Er hat es gewagt, diesen Klingeltöne tauschenden, Handyvideos glotzenden, „Playstation“-spielenden, kurz: multimedial versierten Schülern einen Witz zu erzählen. Man kann sich die Situation lebhaft vorstellen. Der Oberstabsfeldwebel stellt das Gerät vor, macht diesen Vergleich, und die Schüler haben gehört, gesehen, gelacht, vergessen. Nur ein Kind nicht. Das erzählt es seiner Mama, einer Müsli-Tante vielleicht, die nicht nur jedem Lehrer das Leben erschwert, sondern auch noch jemanden bei der Zeitung kennt.

Freilich ist der Vorgang bis dahin wenig erzählenswert. Aber die Reaktionen auf den „Eklat“, wie einige Online-Medien diese Nullwert-Nachricht bezeichnen, sind jämmerlich bis ekelhaft. Die Lübecker Nachrichten schlachten das Nichtthema natürlich aus: zwei Nachrichten und ein Kommentar. Klasse! Endlich mal wieder was los in Lübeck!

Und dann kommen auch noch diese ganzen Landespolitiker. Diese herrlich empörten Menschen jeglicher politischer Couleur. Ob ihrer wachsenden Bedeutungslosigkeit im vereinten Europa müssen sie jeden Strohhalm ergreifen. Nur um ihren Namen noch in die Meldung zu quetschen. Von rechts bis links heißt es unisono: „pädagogisch nicht vertretbar“, „oberflächlich, unreflektiert, gewaltverherrlichend“ oder „mehr als verwerflich“. Da fragt man sich, ob den Kindern nur ein Schieß-Simulator oder etwa eine standrechtliche Erschießung vorgeführt wurde.

Ein Minimum an Respekt

Der Schuldirektor mutmaßt sogar entschuldigend, daß dort vielleicht „Soldaten ohne pädagogisches Wissen“ agiert hätten. Aha. Das klingt immerhin nach Ausgleich. Letztlich zeugt es aber von erbarmungsloser Unwissenheit. Oder Arroganz. Es geht – wohlgemerkt – um einen Oberstabsfeldwebel. Der Kenner weiß, daß ein solcher seit Jahrzehnten Soldat und Ausbilder ist, vielleicht sogar Personalchef und selbst Familienvater. Da kann man ihm wohl ein praktisches pädagogisches Wissen unterstellen.

Zugegebenermaßen hat der Verfasser dieser Kolumne die Nullwert-Nachricht nun selbst über Gebühr ausgeschlachtet. Kommen wir zu der langen Rede kurzem Sinn: Eine Gesellschaft, die ihre Armee in den Einsatz schickt, manche ihrer Soldaten vielleicht in den Tod,  muß sich einfach ein Minimum an Respekt vor diesen Männern angewöhnen. Diese Soldaten sterben für die Republik, für uns. Und wenn nicht nur für uns, dann doch für „den Westen“.

Und für die Müsli-Tante auch.

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