Skatmonster

Immer wieder versuchen alle möglichen Menschen die deutsche Seele zu ergründen. Wie konnte es geschehen, daß dieses Volk zwei Weltkriege entfesselte und unsägliches Leid über andere Völker bringen konnte? Auch die JUNGE FREIHEIT nimmt sich immer wieder dieses Themas an, wie in der jüngsten Reihe über den Weg zum Zweiten Weltkrieg gezeigt. Und jetzt die gute Nachricht: Nachdem unzählige Bücher, Studien und Artikel zu diesem Thema verfaßt wurden, habe ich ganz zufällig die Lösung gefunden.

Am vergangenen Wochenende durfte ich nämlich Zeuge eines typisch deutschen Zeitvertreibs werden: dem Skatspielen. Wer also wissen möchte, wie aus ganz normalen Menschen Monster werden, der muß nur einmal in ein typisch deutsches Wirtshaus gehen und sich das Schauspiel selber anschauen.

Spielen ist ja eigentlich etwas wunderschönes und soll den Charakter schulen. Vor allem Kindern bringen Eltern gerne bei, daß man mit Anstand verlieren soll und bei Siegen den Gegner nicht lautstark demütigt, sondern mit Respekt behandelt.

Aggressionen steigern sich von Schritt zu Schritt

Bei Skatspielern scheint diese edle Tugend, falls sie in der Jugend überhaupt erworben wurde, irgend wie verschüttet zu sein. Hier kommen bereits nach kürzester Zeit die tiefsten menschlichen Abgründe zum Vorschein.

Das erste Hochzählen geht meist noch recht harmonisch. Aber wehe, eine der beteiligten Personen macht einen Fehler. Stellt sich Anfangs noch eine gewisse Fehlertoleranz ein, wandelt sich diese in ein genervtes Augenrollen, bis zur pampigen Beantwortung von Fragen nach „Trumpf“. Dabei steigern sich die Aggressionen von Schritt zu Schritt. Früher oder später artet das Spiel in wütendes Geschreie aus, gefolgt von Auf-dem-Tisch-Herumgehaue und Karten-durch-die-Gegend-Werfen.

Besonders schockierend: die Beteiligten waren nüchtern und schienen miteinander befreundet zu sein. Wer eine zeitlang so ein Spiel beobachtet, mag sich gar nicht vorstellen, was geschehen wird, wenn diese Menschen einmal mit ernsthaften oder existentiellen Problemen konfrontiert sind. Da will man dann am liebsten ganz weit weg sein…

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