Schwaches Duell, noch schwächere Kanzlerin

Der Sieger des TV-Duells der beiden sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten waren in erster Linie die kleinen Parteien und die Nichtwähler, denn es war noch langweiliger als erwartet.

Beide Kandidaten haben sich mit Watte beworfen und gegenseitig bestätigt, alles richtig gemacht zu haben. Moderator Peter Kloeppel (RTL) sagte denn auch hinterher: „Es hat nicht so richtig geknallt.“

Dafür gab es Pseudo-Kämpfe: Besonders schön war das Phrasendreschen über die soziale Marktwirtschaft, die beide Kandidaten im Munde führten. Merkel sagte, sie habe seit Jahren für eine neue soziale Marktwirtschaft geworben.

Steinmeier versprach einen Neustart der sozialen Markwirtschaft. Merkel korrigierte ihn: Wir brauchen eine neue soziale Marktwirtschaft, aber keinen Neustart der sozialen Marktwirtschaft.

Es war regelrecht zu hören, wie sich Tausende von deutschen TV-Zuschauern in diesem Moment gelangweilt den Ausschaltknopf betätigten.

Emotionen wurden nicht geweckt

Es wurde nicht gesprochen über die größte Steuererhöhung der deutschen Geschichte, nicht über den Verlust nationaler Souveränität durch die EU, nicht über den skandalösen „Bail out“ der Großbanken, nicht über den Niedergang der Familien und die erschreckend niedrigen Geburtenraten und nicht über das Chaos in der Gesundheitspolitik. Warum wohl? Weil beide gemeinsam diese Dinge zu verantworten haben und auch in Zukunft nichts dagegen tun werden.

Vergessen wir nun mal die anderen Parteien und sehen uns die zwei Kandidaten genauer an: Im Vergleich untereinander lag Frank Walter Steinmeier vor Angela Merkel. Er war freundlicher und überzeugender als die Kanzlerin, hat es aber verpasst den großen Wurf zu landen.

Dazu hätte er etwas Persönliches sagen müssen wie Gerhard Schröder, der das letzte Duell gegen Merkel mit dem Satz „Und dafür liebe ich sie auch“ über seine Frau Doris gewonnen hat. Offensichtlich haben seine Berater vergessen ihm einzuhämmern, daß es bei so einer Show nicht um Fakten geht, sondern um Emotionen. Die konnte keiner von beiden wecken.

Merkel hat das Problem, daß sie eine Frau ist. Verhält sie sich wie eine, dann sieht sie schwach aus gegen einen Mann. Verhält sie sich aber wie ein Mann, dann verliert sie ihre positiven, weiblichen Attribute wie einfühlsam und liebenswürdig. Und genau das ist gestern geschehen:

Steinmeier wirkte konzilianter 

Es gab keinen im Saal, dem Merkel nicht über den Mund gefahren ist. Das war unklug. Ihr wurden immer wieder Fragen gestellt. Sie hat um den heißen Brei herumgeredet, nie hat sie eine klare Antwort von sich gegeben. Die Journalisten haben dann nachfragen wollen, aber sie sich das energisch verbeten. Steinmeier wirkte da viel konzilianter.

Wahrscheinlich haben ihr ihre Leute vorher eingebleut, sie solle stark auftrumpfen, schließlich wirke das entschlossen. Außerdem ist sie schon seit Jahren Regierungschefin („Ich bin Kanzlerin“). Das prägt den Charakter. Macht korrumpiert.

Gestern hat sie diese Chefallüren heraushängen lassen und dabei einen negativen Eindruck hinterlassen. Jemand, der keine Ahnung davon hat, wie es in ihren Kabinettssitzungen vor sich geht, konnte sich ein Bild davon machen, wie Merkel mit Menschen umgeht. Da werden Erinnerungen an Kohl, Hohmann, Merz und andere „Parteifreunde“ wach, die Angela Merkel davongejagt hat.

Von wegen Hohmann und Merz: Warum sollten rechte Stammwähler diesmal CDU wählen? Die Katholiken, die Familien, die Bauern, die Mittelständler, die Vertriebenen – war da irgendwas? Nein. Merkel hat nicht einmal den Versuch unternommen, sie für sich zu gewinnen.

Steinmeier hat sich so ähnlich verhalten, was die linke SPD-Klientel angeht. Er hat die Agenda 2010 ebenso verteidigt wie den Afghanistan-Einsatz, obwohl ihn das am linken Rand Stimmen kosten könnte. Der Unterschied zwischen Merkel und Steinmeier ist:

Wo Merkels konservative Stimmen zum Teil ins Nichtwählerlager abwandern, marschieren Steinmeiers linke Stimmen geschlossen ins Reservoir der Linkspartei, womit sie immer noch zu seinem Lager gehören. So bleibt er zumindest Vizekanzler.

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