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Ostern und der Krieg: Dilemma des Pazifismus

Ostern und der Krieg: Dilemma des Pazifismus

Ostern und der Krieg: Dilemma des Pazifismus

Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine: das Dilemma des Pazifismus Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Sebastian Gabsch/Geisler-Fotopre
Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine: das Dilemma des Pazifismus Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Sebastian Gabsch/Geisler-Fotopre
Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine: das Dilemma des Pazifismus Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Sebastian Gabsch/Geisler-Fotopre
Ostern und der Krieg
 

Dilemma des Pazifismus

In den vergangenen Jahren sind die Teilnehmerzahlen traditioneller Ostermärsche der Friedensbewegung zusammengeschmolzen. Ihre Hochzeit erlebten sie um Wiederbewaffnung und Nachrüstung in Westdeutschland. Der Ukraine-Krieg könnte diesem spezifisch protestantisch-deutschen Pazifismus neuen Zulauf geben. Karlheinz Weißmann beschreibt in Cato jene Mischung aus „Give Peace a Chance“ und „Fuck Putin“, die auf jüngsten Demonstrationen Zeugnis ablegten von einer „postheroischen und weltfremden Haltung, für die der Krieg verboten gehört“.  

Wer es nicht bei deklamatorischen Bekenntnissen zu Friedfertigkeit und „Solidarität“ belassen will, dem stellt sich die Frage der Legitimität militärischer Verteidigung: Vor allem die evangelische Kirche hat die pazifistische Position systematisch theologisch zu untermauern versucht. Die permanente wohlfeile Polemik von den Kanzeln gegen die Bundeswehr hat in den 1970er Jahren meinen Vater als Berufssoldaten zum Kirchenaustritt getrieben. Vertreter von Luthers „Zwei-Reiche-Lehre“, wonach im Diesseits der Staat Inhaber des Gewaltmonopols und Kriegführung im Notfall für Christen zulässig ist, gerieten immer stärker in die Defensive.   

Schatten des Krieges fällt auf das Osterfest

Mit ihrer Friedensdenkschrift  unterstrich die EKD 2007 unter ihrem Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber die Dominanz des pazifistischen Flügels. Hubers Nachfolgerin Margot Käßmann ist jetzt erschrocken, „wie plötzlich eine scheinbar friedensgesinnte Mehrheit auf militärische Lösungen umschwenkt“, wie sie in der NZZ bekundet. Sie lehnt weiterhin Waffenlieferungen ab wie auch die Erhöhung des Wehretats. Friedensgebete und Demonstrationen sollen es nach Käßmann richten.

Tatsächlich schlackert man jedoch mit den Ohren, wie insbesondere Politiker der früheren Friedenspartei der Grünen plötzlich immer schwereres Kriegsgerät liefern wollen. So am Sonntag der breitbeinig im ZDF-Studio stehende Anton Hofreiter, der schneidig die Übergabe eingemotteter Marder-Panzer und „Waffen, Waffen und nochmal Waffen“ an Kiew forderte.

Der düstere Schatten des Krieges fällt auf das diesjährige Osterfest. Die Passion Christi ist eine Allegorie des Schreckens, den Menschen sich insbesondere im Krieg zufügen. Es sind schließlich Soldaten, die Jesus zur Richtstätte führen und kreuzigen. Wie anders klingt die österliche Botschaft von Tod, Erlösung und Wiederauferstehung für die Männer, die sich in den Schützengräben östlich des Dnjepr gegenüberliegen. 

JF 16/22

Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine: das Dilemma des Pazifismus Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Sebastian Gabsch/Geisler-Fotopre
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