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AfD-Parteitag in Riesa: Sieg mit Schönheitsfehlern

AfD-Parteitag in Riesa: Sieg mit Schönheitsfehlern

AfD-Parteitag in Riesa: Sieg mit Schönheitsfehlern

Tino Chrupalla und Alice Weidel: müssen jetzt liefern Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Kahnert
Tino Chrupalla und Alice Weidel: müssen jetzt liefern Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Kahnert
Tino Chrupalla und Alice Weidel: müssen jetzt liefern Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Kahnert
AfD-Parteitag in Riesa
 

Sieg mit Schönheitsfehlern

„Die Ära Meuthen ist vorbei“, verkündete der frisch wiedergewählte AfD-Chef Tino Chrupalla sichtlich gut gelaunt. Er hat bekommen, was er wollte: Einen neuen Vorstand ohne die – aus seiner Sicht – personellen Altlasten des Vorgängergremiums. Von denen, die auch nach dem geräuschvollen Abgang des einstigen Co-Vorsitzenden zum „Meuthen-Lager“ gezählt wurden, sind nicht einmal mehr Spurenelemente vorhanden.
Chrupalla dagegen konnte einen großen Teil seines zuvor schon bekanntgegebenen Personaltableaus durchsetzen – samt einiger noch kurzfristig vorgenommener Änderungen. Freilich hat sein Erfolg Schönheitsfehler. Ein paar Kandidaten von Chrupallas Wunschliste fielen durch oder schafften es nur knapp. Das hatte er zwar von Anfang an eingepreist. Aber es zeigt: Absprachen funktionieren nur begrenzt, Mehrheiten bleiben in der AfD knapp, Bündnisse fragil.

Kein glänzender Sieg

Und die 53 Prozent, mit denen der Vorsitzende wiedergewählt wurde, sind nun auch alles andere als ein glänzender Sieg. Überraschenderweise kam der allenfalls mit Außenseiterchancen gestartete Gegenkandidat Norbert Kleinwächter auf 36 Prozent. Das lag zum größten Teil sicherlich an der Rede des Herausforderers, die die Delegierten mitriß, während der Amtsinhaber eher Standardware lieferte. Und schon am Tag vor der Wahl mußte sich Chrupalla nach seinem Rechenschaftsbericht manch kritische Frage oder Bemerkung anhören.
Mitgliederverluste, schwache Wahlergebnisse und das Gefühl, mit den eigenen Themen nicht durchringen zu können; dazu die Ablehnung, die der Partei entgegenschlägt, die Isolation, in die sie geraten ist. Das sind die wesentlichen Gründe  dafür, daß in der AfD viel Frust herrscht und die Aufbruchstimmung der starken Anfangsjahre ziemlich verpufft ist.

Die Macht wird gebündelt

Andererseits profitierte Chrupalla bei seinem Fast-Durchmarsch nicht nur von einer im voraus durchorchestrierten Listenaufstellung, sondern vor allem von der Schwäche seiner innerparteilichen Gegner. Das liberal-konservative Lager gab ein ziemlich trauriges Bild ab. Unorganisiert, frustriert, resigniert. Mal wurden Kandidaten auf aussichtslosen Posten verheizt, mal boten sie eine schwache Vorstellung – mal trat gar niemand mehr an. Von dem, was aus dieser Richtung vorab in Presserunden so alles an Strategien ausgebreitet wurde, blieb am Parteitag, also da, wo es darauf ankommt, nicht mehr viel übrig.
Partei und Fraktion haben nun dasselbe Führungsduo: Chrupalla und Alice Weidel. Die Macht wird nicht geteilt, sondern gebündelt – das ist schon fast irgendwie „Altpartei“, könnten die Gralshüter der Basisdemokratie einwenden. Andere deuten das als Schritt in Richtungen Professionalisierung, denn das Risiko von Reibungsverlusten wird minimiert.

Ein alter Konflikt bricht sofort wieder auf

Kein Streit, mehr Harmonie, das war das Mantra vieler Parteitagsreden. Der Wähler hasse eine nur mit sich selbst beschäftigte Partei. Ob sich das mit dem neuen Vorstand ändert, ob der den versprochenen Neuanfang liefern kann, wird sich zeigen.

Schon einen Tag nach der Wahl des Vorstands war aber der alte Konflikt in der AfD wieder da: wie weit rechts will man stehen, wo sollen die Grenzen gezogen werden? In der Frage, ob ein Mini-Verein von der Unvereinbarkeitsliste gestrichen werden soll, war es mit der Einigkeit – auch im Vorstand – nicht mehr weit her. Typisch AfD fiel die Entscheidung 60 zu 40 – für die Streichung. Und das, obwohl zwei Vorstandsmitglieder dringend davor gewarnt hatten.

Chrupalla und Weidel müssen liefern

Letztlich fällen die Wähler das entscheidende Urteil, ob die Weichenstellung des Parteitags von Riesa in Richtung Ghetto oder in Richtung Anschlußfähigkeit führen. Für deren Ausgang und für das Abschneiden der AfD muß dann das Tandem Chrupalla/ Weidel den Kopf alleine hinhalten. Das Argument, die Landesverbände seien schuld oder die Tatsache, daß eine Mehrheit im Vorstand ja gegen einen stehe, zieht dann nicht mehr.

Denn eines, da hat Tino Chrupalla recht, ist mit diesem Parteitag in Riesa wirklich besiegelt: die Ära Meuthen ist vorbei.

Tino Chrupalla und Alice Weidel: müssen jetzt liefern Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Kahnert
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