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Fußball-WM in Katar: Fifa stolpert über Frauenrechte

Fußball-WM in Katar: Fifa stolpert über Frauenrechte

Fußball-WM in Katar: Fifa stolpert über Frauenrechte

Ein Bild mit Seltenheitswert: Iranerinnen jubeln im Fußballstadion Foto: picture alliance / EPA | STRINGER
Ein Bild mit Seltenheitswert: Iranerinnen jubeln im Fußballstadion Foto: picture alliance / EPA | STRINGER
Ein Bild mit Seltenheitswert: Iranerinnen jubeln im Fußballstadion Foto: picture alliance / EPA | STRINGER
Fußball-WM in Katar
 

Fifa stolpert über Frauenrechte

Die iranische Fußballnationalmannschaft bangt um ihre Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Katar im Dezember. Grund hierfür ist das wiederholte Eintrittsverbot für weibliche Fußballfans zu den Stadien. Für diese Diskriminierung droht dem iranischen Fußballverband die Disqualifikation.

Dabei hatte es in den vergangenen zwei Jahren zunächst Lockerungen gegeben. Nach fast 40 Jahren der Ausgrenzung durften Frauen 2019 wieder in ein Fußballstadion. Die Mullahs hatten nach der Islamischen Revolution 1979 zwei Jahre später den Frauen untersagt, Fußballspiele von Herren-Mannschaften zu besuchen. Ihre Begründung: Die Frauen sollten damit vor der „maskulinen Atmosphäre“ im Stadion geschützt werden. Damit hatten die islamischen Reaktionäre also schon vor mehr als 40 Jahren die Gefahr der „toxischen Männlichkeit“ erkannt und gebannt.

Selbstverbrennung sorgte für Aufmerksamkeit

Erst zum WM-Qualifikationsspiel gegen Kambodscha am 10. Oktober 2019 waren wieder Frauen auf den Zuschauerrängen erlaubt – ein Freudentag für die von den Mullahs unterdrückten Frauen und Mädchen. Der Weg dorthin war von Tränen und Blut gepflastert. Prominentes Beispiel für den Protest der Frauen ist Azadi, eine leidenschaftliche Fußball-Anhängerin, die sich nach ihrer Festnahme selbst anzündete und an den Folgen der schweren Verbrennungen verstarb.

Diese Aktion verschaffte den iranischen Frauen Aufmerksamkeit und der Weltfußballverband Fifa stellte sich auf ihre Seite und drohte dem Land damals schon damit, seine Nationalmannschaft von der Weltmeisterschaft 2022 auszuschließen, sollten die Frauen weiterhin ausgesperrt bleiben. Teheran gab dem Druck teilweise nach und erlaubte einer limitierten Anzahl von Frauen den Besuch von zwei WM-Qualifikationsspielen und zum asiatischen Champions-League-Finale.

In Katar gilt die Scharia

Eben diese Fifa hat aber kein Problem damit, die Austragung der Weltmeisterschaft an ein Land zu vergeben, in dem Menschenrechte im Allgemeinen und Frauenrechte im Speziellen kaum einen Wert haben. Das autokratische Katar ist streng islamisch und die Scharia bildet das Fundament des Rechtssystems.

Hinter der futuristischen Skyline Dohas verbirgt sich ein zivilisatorisches Mittelalter. Zwar gewährt Katar Religionsfreiheit, auf Apostasie, dem Abfall vom Islam, steht aber die Todesstrafe. Für Homosexualität sieht das katarische Strafrechtssystem Inhaftierung, Auspeitschen oder sogar die Todesstrafe vor.

Auch für vergewaltigte Frauen sieht der Golfstaat drakonische Strafen vor: Kann das Opfer seine Vergewaltigung nicht durch vier männliche Zeugen bestätigen lassen, gilt der Mißbrauch als außerehelicher Beischlaf und wird gemäß dem islamischen Recht ebenfalls mit Auspeitschung bestraft. War das Opfer verheiratet, dann gilt der erzwungene Sex als Ehebruch und kann sogar mit der Todesstrafe geahndet werden.

Frauenrechte gelten nichts

Dabei verkauft sich Katar gerne als fortschrittliches, hoch technologisiertes Land; und ist ein Meister der Selbstvermarktung. Man präsentiert sich weltoffen und modern, schmückt sich mit Bildern von Frauen an Universitäten oder in führenden Positionen. Daß die Frauen aber weitgehend unter der Vormundschaft der Männer stehen, wird allzu gern verschwiegen.

Selbst im Erwachsenenalter haben Frauen kein volles Selbstbestimmungsrecht. Ihr Leben wird fremdgelenkt vom Willen ihrer männlichen Familienmitglieder. Der Vater oder der Ehemann bestimmen über deren Schicksal. Sie sind der Willkür der Männer ausgesetzt.

Ein Bild mit Seltenheitswert: Iranerinnen jubeln im Fußballstadion Foto: picture alliance / EPA | STRINGER
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