Joachim Kuhs
Nationalelf Woke
Die deutsche Nationalelf im März vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Island Foto: picture alliance / GES/Marvin Ibo Güngör | Marvin Ibo Güngör

EM-Achtelfinale
 

Lieber woke statt Würzburg

Viel ist derzeit von Zeichen setzen und Haltung zeigen im Fußball die Rede. Immer vorne mit dabei: die deutsche Nationalelf. Regenbogenflaggen gegen angebliche Homophobie: Das DFB-Team ist zur Stelle. Knien gegen Rassismus: Da läßt sich die Mannschaft unter Kapitän Manuel Neuer nicht zweimal bitten. Wenn schon nicht Fußballweltmeister, dann wenigstens Haltungsweltmeister.

Die seit Jahren zunehmende Politisierung und Instrumentalisierung des Sports ist Teil einer immer durchideologisierteren Gesellschaft, in der auch die letzte Nische und der letzte Winkel sich der Wahl stellen müssen: gut oder böse, bunt oder braun, modern oder ewiggestrig. Wer sich den Ritualen und Pflichtfloskeln verweigert, wird automatisch auf der dunklen Seite einsortiert – mit allen sozialen, politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen.

Toleranz, Respekt und Vielfalt

Nun heißt es immer wieder, der Sport habe nicht nur eine verbindende Funktion, sondern seine Repräsentanten seien auch Vorbilder. Gerade populäre Fußballprofis könnten Kindern Werte vermitteln. Werte wie Fleiß, Leistungsbereitschaft und Mannschaftsgeist, aber auch Toleranz, Respekt und Vielfalt.

Das hat eben erst auch Nationaltorhüter Manuel Neuer betont, als er in einem Interview verriet: „Wir möchten der Nationalmannschaft ein Gesicht geben und den Menschen zeigen, daß es außerhalb des Fußballs wichtige Dinge gibt, auf die wir hinweisen.“ Genau dazu hätte die deutsche Elf am heutigen Dienstag vor ihrem Achtelfinale gegen England im Londoner Wembley-Stadion die Möglichkeit – indem sie ein Zeichen für die Opfer von Würzburg setzt.

Sie könnte mit einer Schweigeminute vor dem Spiel an die drei getöteten Frauen und die Verletzten erinnern. Sie könnte mit schwarzem Trauerflor auflaufen, um den Angehörigen ihr Beileid zu bekunden. Doch Neuer und seine Mitspieler haben sich entschieden, andere Statements zu setzen. Statt eines Moments des Schweigens werden sie aus Solidarität mit der „Black Lives Matter“-Bewegung demütig ihr Knie gegen Rassismus beugen. Statt Trauerflor wird an Neuers Arm wieder die Spielführerbinde in den bunten Farben der LGBTQ-Community leuchten.

Rangliste der Opfer

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Ernten wird die Mannschaft dafür wieder reichlich Herzchen und Regenbogenfähnchen auf Twitter sowie den warmen Begeisterungsapplaus der Medien. Dem heimischen Publikum am TV aber wird einmal mehr deutlich gemacht, wer in der Kategorie der Opfer die Rangliste anführt und wer auf dem letzten Tabellenplatz landet.

Denn anders als die aggressiven „BLM“-Klassen- und Kulturkämpfer oder die schrill-laute LGBTQ-Bewegung haben die Todesopfer einer völlig verfehlten Einwanderungs- und Asylpolitik keine Lobby. Der Regenbogen von Wembley reicht nicht nach Würzburg.

Die deutsche Nationalelf im März vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Island Foto: picture alliance / GES/Marvin Ibo Güngör | Marvin Ibo Güngör
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