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Demonstration gegen Rassismus: Um anti-weißen Rassismus geht es natürlich nicht Foto: picture alliance / imageBROKER | Wolfgang Noack
Demonstration gegen Rassismus in Berlin 2020 Foto: picture alliance / imageBROKER | Wolfgang Noack

Anti-Rassismus-Hysterie
 

Weißer Mann – was nun?

Schon länger ist klar, daß in der westlichen Welt beim Thema Rassismus irgendwo eine Schraube locker ist. Besonders eindrücklich hat dies das Theater um die schwarzen Elfmeter-Versager gezeigt, die die englische Fußballnationalmannschaft zur Vize-Europameisterschaft schossen. Sicher ist das blöd und peinlich, darauf hinzuweisen, daß die drei unglücklichen Schützen Farbige waren. Nur: Gelenkt wurde die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Hautfarbe der Fehlschützen nicht von Rassisten, sondern von Antirassisten.

Denn es waren ja die Antirassismus-Exzesse, die ostentativ in dem rituellen Niederknien der englischen Kicker vor jedem Spiel gipfelten, die das Bewußtsein für die Hautfarbe der verschiedenen englischen Spieler schärften und damit ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückten, was dort, wo es doch um Sport geht, nichts zu suchen hat. Einen Gefallen tat man ihnen mit dem großen „Black Lives Matter“-Kotau nicht.

Denn wo man als schwarzer Spieler früher unbelastet von ideologisch aufgeladenen politischen Diskursen über die eigene ethnische Identität zum Elfmeterpunkt schreiten konnte, muß man heute überlegen, ob man es sich erlauben kann, einen Elfer zu verschießen – nachdem zweieinhalb Stunden zuvor eben wegen der Hautfarbe ein Riesenfaß aufgemacht wurde. Und wohin zu viel Nachdenken im Fußball führt, hat man im EM-Finale gesehen.

Fast wahnhaftes Verhalten

Der Antirassismus der westlichen Welt übersteigt längst jedes gesunde Maß. Und wenn es stimmt, daß jedem totalitären System zutiefst eine Neurose innewohnt und das System seine Gegner umso grausamer verfolgt, je ausgeprägter die Neurose ist, dann muß man sich um die westlichen Demokratien ernsthaft Sorgen machen. Gefahr droht immer dort, warnte Hannah Arendt in „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, wo Ideologie und Propaganda eine fiktive Welt erschaffen, die an die Stelle derjenigen treten soll, die das Individuum im eigenen Erfahrungshorizont erblickt.

Sind Hitlers Judenhaß, Idi Amins und Stalins Panik vor unsichtbaren Feinden, Maos und Pol Pots Aversionen gegen Bildung und Besitz im ressentimentgesättigten Bildersturm der Antirassisten würdige Nachfolger erwachsen? Sind Menschen, deren blinder Haß selbst vor Monumenten der deutschen Kulturgeschichte wie Kant oder Bismarck nicht haltmacht, noch diesseits der Schwelle zur Psychiatrie therapierbar?

Das Thema schlägt inzwischen so hohe Wellen, daß es es sogar aufs Titelblatt von Deutschlands immer noch auflagenstärkstem Nachrichtenmagazin schaffte. Spiegel-Schlagzeile: „Aufstand gegen den alten weißen Mann“. Und es geht gleich los mit einer Skandalgeschichte, von der man meinen könnte, sie stamme aus dem Deutschland der beginnenden Judenpogrome oder aus Südafrika zur Zeit der Apartheid.

Falschaussagen und Intrigen

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Nur daß diesmal Weiße die Erniedrigten und Beleidigten, die Verunglimpften und Gemobbten sind, erniedrigt und gemobbt mit den Mitteln der Falschaussage, des Weglassens und der Intrige: Die farbige Studentin Oumou Kanoute war beim Einnehmen einer Mahlzeit von zwei weißen Angestellten des Smith College in Massachusetts gefragt worden, was sie in einem Raum zu suchen habe, der eigentlich für andere Gäste reserviert war. Einer der Männer war Hausmeister, der andere gehörte zum Sicherheitsdienst; und da solche Menschen in der Regel bewaffnet sind, fürchtete die Studentin um ihr Leben.

Schließlich sei, so stellte sie es auf Facebook dar, eine schwarze Frau in Gegenwart eines weißen Uniformierten immer gefährdet. Geboren war ein Skandal um Rassismus am College. Der Hausmeister wurde suspendiert. Daß Kanoute gar nicht berechtigt war, sich in dem Raum aufzuhalten, und der Campuspolizist auch nicht bewaffnet, ging im Getöse um die angeblich rassistische Behandlung Kanoutes völlig unter. Schließlich kam auch noch heraus, daß einer der Männer, die die Studentin im Internet angeschwärzt hatte, gar nicht dabei gewesen war.

Schon im vergangenen Jahr nahm sich das Wochenblatt Die Zeit des Themas an. Der in den USA bestens vernetzte Journalist Yascha Mounk schrieb über Freunde, die „aufgrund mißliebiger Standpunkte um Job und Aufträge fürchten“, über Bekannte, die unpopuläre Meinungen nur unter vorgehaltener Hand zu äußern wagten, und über David Shor, der nach den Tumulten und Unruhen, die der Todesfall George Floyd auslöste, via Twitter auf die Untersuchung eines farbigen Professors der Universität Princeton verwiesen hatte: Bereits 1968 hätten gewaltsame Proteste eher dem gegnerischen Lager, in dem Fall Richard Nixon, Kandidat der Republikaner für das Präsidentenamt, geholfen.

Stetiger Ruf nach Alimentierung

Friedliche Demonstrationen dagegen hätten laut der Studie eher den Demokraten genützt. Shor kostete die Twitter-Meldung seinen Job. Was war passiert? Mounk: „Aktivisten hatten seinen Tweet als Rat gewertet, die ‘Black Lives Matter’-Bewegung solle auf Gewalt verzichten. Als Weißer habe er aber kein Recht, das zu beurteilen. Unter dem Druck der Twitter-Meute feuerte sein Arbeitgeber – eine Firma, die Demokraten durch Datenanalysen Wahlsiege verschaffen soll – Shor kurzerhand.“

Ein Einzelfall? Nur in den USA möglich? Mitnichten. Der Spiegel berichtet in seiner Titelgeschichte von rassistischen Vorfällen am Düsseldorfer Schauspielhaus – das Skandalwort „Sklave“ sei gefallen –, infolge derer den Theater-Statuten eine Klausel hinzugefügt wurde, „derzufolge – vereinfacht gesagt – bei Rassismusvorwürfen prinzipiell demjenigen geglaubt wird, der die Vorwürfe erhebt“. Der schwarzen Regisseurin Natasha Kelly reichte das nicht. Sie verließ das Haus und will jetzt ein eigenes Theater.

Nun steht es in einem freien Land natürlich jedem frei, sein eigenes Theater zu gründen und sich dem Wettbewerb mit anderen Bühnen zu stellen. Da aber natürlich klar ist, daß eine Bühne von Schwarzen für Schwarze in Deutschland ein reines Nischenprodukt wäre, das ohne Förderung keinen Monat überleben würde, will Kelly eine Förderung durch die Stadt und das Land Nordrhein-Westfalen. Farbige bräuchten einen „Schutzraum“, behauptet Kelly, „einen Raum für sich“. Wer mitmachen darf und wer nicht, entscheidet die Hautfarbe. Weiße dürfen draußen bleiben. Eine neue, deutsche Apartheid, finanziert mit Steuermitteln, um, so Kelly wörtlich, „diesen seit 2000 Jahren andauernden weißen Blick zu durchbrechen“.

Koloniales Familienerbe als Standardrechtfertigung

Was die farbige Darstellerin und Regisseurin formuliert, ist das vorläufige Resultat eines verfestigten Ritus des Ihr-reicht-den-kleinen-Finger-und-wir-nehmen-die-ganze-Hand, bei dem Menschen, deren Vorfahren Deutschland großmütig Zuflucht gewährte, die nicht selten mit Steuer- oder Sozialkassengeldern gepampert wurden, nun Deutschlands (noch) weiße Mehrheitsgesellschaft in Regreß nehmen für koloniales Unrecht, für das ihnen – wie den Herero in Namibia – eine Entschädigung zustehe. Besonders radikalen Anhängern dieses Denkens gilt selbst der Antisemitismus der NS-Zeit nur als Facette dieses universellen kolonial-imperialistischen weißen Unterdrückergeistes.

Inzwischen gibt es urbane Räume, in denen Migranten in der Mehrheit sind. Als in den Achtzigern auch in bürgerlichen Kreisen das Wort „Neger“ ungebräuchlich wurde, wurde das gesamtgesellschaftlich nicht als Zumutung, sondern als Geste der Verständigung und Rücksichtnahme aufgefaßt. Inzwischen aber müssen sich diejenigen, die damals Entgegenkommen signalisierten, fühlen wie aristokratische Gastgeber, die stets auf gute Manieren und Etikette, auch und besonders gegenüber neuen Gästen, achten und als Lohn dafür mit ansehen müssen, wie diese auf ihren Tischen tanzen, das Porzellan zerschlagen und mit dem Tafelsilber Fangen spielen.

Als Erklärung für ein solches Verhalten wird dann das koloniale Familienerbe angeführt: „Ihr habt es nicht anders verdient!“ Schon gibt es Menschen, die aus Protest gegen diese Rüpelhaftigkeit das N-Wort wieder in ihren Wortschatz aufgenommen haben. Warum noch länger höflich bleiben in Anbetracht solcher ungehobelter Übergiffe. Daß sich die Gräben innerhalb der deutschen Gesellschaft immer weiter vertiefen, ist auch ein Fazit des Spiegel, der aber glaubt, daß sich alles schon wieder einrenken werde. Es handle sich um konfliktreiche, aber letztlich normale Anpassungen an grundlegende gesellschaftliche Veränderungen.

Das ist die eine Möglichkeit. Es könnte aber auch so ausgehen wie in den Jahren 1789 und danach, als der Pöbel tatsächlich die Paläste stürmte und die Adligen hinauswarf. Die Dekadenz der höfischen Kultur des 18. Jahrhunderts, die Schlaffheit einer untergehenden Herrscherdynastie und ein universeller Verfall der Sitten waren dafür entscheidende Voraussetzungen. Klingt das nicht ein bißchen auch nach Deutschland anno 2021? Wer weiß ist und „schon länger hier lebt“, sollte sich auf jeden Fall warm anziehen.

Demonstration gegen Rassismus in Berlin 2020 Foto: picture alliance / imageBROKER | Wolfgang Noack
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