Passanten legen Blumen für den erschossenen Reporter Peter R. de Vries nieder
Passanten legen Blumen für den erschossenen Reporter Peter R. de Vries nieder Foto: picture alliance / ANP | Evert Elzinga

Anschlag auf Journalist in den Niederlanden
 

Die Mafia zeigt, wo es langgeht

Der Mord am niederländischen Journalisten Peter R. de Vries ist kein „Anschlag auf den freien Journalismus“, wie Premierminister Mark Rutte, das Königshaus und etliche Journalisten direkt nach der Tat suggerierten. Nein, er führt vor Augen, daß der niederländische Staat jahrzehntelang daran gescheitert ist, angemessen gegen die „Mocromafia“ aufzutreten. Das Ergebnis: Die Niederlande drohen im Drogensumpf zu versinken. 

Anstatt sich die Frage zu stellen, wie es sein kann, daß im Auftrag einer kriminellen Drogenbande einem Journalisten am hellichten Tag mitten in Amsterdam fünf Kugeln durch den Leib gejagt werden, gab es von offizieller Seite nur Platitüden über Wut und Betroffenheit. Der Anschlag, dem Peter R. de Vries am Donnerstag erlag, ist aber kein Einzelfall, sondern reiht sich nahtlos in eine Serie von Liquidationen durch die „Mocromafia“ ein.

Endlich beherzt und deutlich auftreten

De Vries war nämlich die Vertrauensperson des Kronzeugen Nabil B. im Prozeß gegen den „König der Unterwelt“, Riduan Taghi, einem der berüchtigtsten Leiter dieses Drogenkartells. Der Bruder des Kronzeugen und sein damaliger Anwalt, Derk Wiersum, wurden bereits umgebracht.

Kurzum: Die „Mocromafia“ zeigt, wo es langgeht, Regierung und Politiker in den Niederlanden geben sich empört, statt endlich beherzt und deutlich aufzutreten. Wenn das so bleibt, muß man sich wirklich fragen, ob es in den Niederlanden überhaupt noch so etwas wie „innere Sicherheit“ gibt.

JF 29/21

Passanten legen Blumen für den erschossenen Reporter Peter R. de Vries nieder Foto: picture alliance / ANP | Evert Elzinga
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