Kaiser
Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage
Zweifellos geht es nur um das Wohl unserer Landsleute

Kaisers royaler Wochenrückblick

Seit dieser Woche ist es offiziell. Auch Oktoberfest wird es in diesem Jahr keins geben. Zumindest nicht das Münchner Original. Mit der Absage des größten Volksfestes der Welt dürfte 2020 schon vor der Jahreshälfte, nicht nur für die sogenannte Spaßgesellschaft, offiziell und endgültig das mieseste Jahr der letzten Jahrzehnte sein. Nicht allein für die Freunde bierseliger Gemütlichkeit geht mit dem bayrischsten aller „Massenbesäufnisse“ ein eigentlich alljährlicher zentraler Fixstern ihrer Freizeitplanung und Lebensart verloren.

Die Absage stellt auch politisch ein Problem dar. Übrigens nicht ausschließlich für die CSU, sondern auch für viele, die mit bayrischer Brauchtumspflege sonst nichts am Hut haben, abgesehen davon, daß sie sie zur vermeintlichen Bestätigung ihrer Lebenslügen brauchen. Wenn das Oktoberfest nicht stattfindet, wie sollen links-grün-feministische Multikultiromantikerinnen denn dann die vielen, ganzjährig überdurchschnittlich häufig von Migranten begangenen, Sexualverbrechen relativieren?

Eine, die mit der Absage der Wies’n hochzufrieden sein dürfte, ist die Bundeskanzlerin. Die hatte sich kürzlich über die „Öffnungsdiskussionsorgien“ in den Bundesländern mokiert. Eine derart stalinistische Basta-Rhetorik hat dann doch auch bei vielen, die bisher treu an Merkels Seite standen, leichtes Entsetzen ausgelöst. Erstmals seit langen vernahm man in Medien und Politik mal wieder so etwas wie breitere Kritik an der deutschen Regierungschefin.

Ein Text wie ein Gebet, gar ein Liebesbrief

Einige Journalisten scheinen aber auch jetzt noch bereit zu sein, die Frau im Kanzleramt bis zur letzten Drucker-Patrone zu verteidigen. Die Redakteurin vom Dienst beim Stern, Miriam Khan, erklärte uns in dieser Woche in einem von ihr verfaßten Artikel: „Warum jeder von uns heilfroh sein sollte, daß Angela Merkel noch Kanzlerin ist“. Es ist ein Text wie ein Gebet, ein an die „mächtigste Frau der Welt“ adressierter Liebesbrief, ein politischer Kommentar, der einem Fan-Gesang gleicht. Nur mit Journalismus hat es eben nicht mehr viel zu tun, wenn die Stern-Autorin verklärend über Angela Merkel schreibt: „Ihre Besonnenheit, analytische Kühle und ihr Weitblick sind genau das, was wir in einer solch beispiellosen Situation brauchen.“

„Wir werden auf eine Bewährungsprobe gestellt, wie es sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gab“, zitiert Khan aus Merkels Regierungserklärung und findet: „Damit hat sie den Ernst der Lage auf den Punkt gebracht: Selten war es so wichtig, zusammenzuhalten und sich zusammenzureißen. Sie sagte es mit einer Ruhe, aber Bestimmtheit, die nicht anzuzweifeln ist.“ Aber genau das wäre ihre Aufgabe als Journalistin. Die Aussagen und Entscheidungen der Regierung kritisch zu betrachten und das Anzweifeln auch in der Krise nicht zu verlernen.

„Angela Merkel ist keine Machtpolitikerin, sie ist keine, die regiert um des Regierens willen. Sie ist demütig, stellt ihr Wirken in den Dienst des Landes“, behauptet die Stern-Autorin allen Ernstes und vergleicht die Langzeitkanzlerin dann doch tatsächlich auch noch mit John F. Kennedy; weil sie ganz nach dessen Motto, „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst“, bei all ihren Entscheidungen nicht ihren „persönlichen Vorteil vor Augen“ habe, „sondern das Wohl ihrer Landsleute“.

Unter Beobachtung geraten

Während unsere Bundeskanzlerin von Regierungschefs in der ganzen Welt beneidet werden dürfte um eine derart freidrehende Presse, die Texte über einen verfaßt, die selbst von Schlagersänger Nino de Angelo als zu schmalzig abgelehnt worden wären, kann man der Verfasserin einer solchen Lobeshymne auf die eigene Kanzlerin eigentlich nur eins raten: Selbst im Homeoffice sollte man die erste Flasche Rotwein nicht vor Feierabend öffnen; oder zumindest nicht leeren!

Auch in Zeiten einer weltweiten Pandemie darf der „Kampf gegen Rechts“ natürlich nicht vernachlässigt werden. In dieser Woche ist dem linksliberalen Wahrheitssystem ein ordentlicher Wirkungstreffer gegen den Populismus von der falschen Seite gelungen. So hat das Bundesamt für Verfassungsschutz das Institut für Staatspolitik (IfS) des neurechten Verlegers und Meinungsmachers Götz Kubitschek zum Rechtsextremismus-Verdachtsfall erklärt. Und damit offiziell zum Beobachtungsobjekt.

Die Sache hat, unabhängig davon, was man von Kubitschek und seinen rechten Mitstreitern hält, auf jeden Fall in mehrererlei Hinsicht ein Geschmäckle. Daran, daß Rechte, obgleich ihnen kein Hang zur Gewalt oder aktive Umsturzbestrebungen nachgewiesen werden können, vom Staat drangsaliert werden, während linksradikale Krawallvereine aus dem Antifa-Milieu nicht nur weitgehend unbehelligt agieren können, sondern oft sogar mit Steuergeldern gefördert werden, hat man sich inzwischen, wenn auch unter Schmerzen, gewöhnt.

Starke Schmerzen und Naidoos falsche Töne

Daß mit dem IfS, dessen Räumlichkeiten sich auf dem privaten Anwesen der Familie Kubitschek befinden, auch der dort ebenfalls ansässige Verlag Antaios ins Visier der Beobachter geraten muß, sollte allerdings jedem, dem eine freie Presse und ein unabhängiges Verlagswesen am Herzen liegen, ziemliche Schmerzen in Brust und Bauch bescheren.

Wenn sich der SPD-Politiker Helge Lindth dann auch noch damit rühmt, daß der Verfassungsschutzchef das Versprechen eines weiter konsequenten Vorgehens gegen Rechtsextremismus, das er ihm bei seinem Besuch in seinem Büro gegeben habe, mit der Beobachtung der Schnellroda-„Hetzfabrik“ gehalten habe, müßten diese Schmerzen eigentlich kolikartige Ausmaße annehmen. Selbst wenn man nicht weiß, daß das Treffen damals nach einem Anschlag auf das Büro des SPD-Politikers stattgefunden hat, der sich, konträr aller politisch korrekten Annahmen, als linksextremistisch motiviert herausstellte.

Nicht mehr lange dauern, bis er ins Visier der Staatsschützer gerät, wenn er da nicht sowieso schon voll drin ist, dürfte es auch bei Xavier Naidoo. Der von seinen Brüdern inzwischen verstoßene Sohn Mannheims kann es nämlich einfach nicht lassen, die Bundesregierung und die von ihr mitgeschaffenen Verhältnisse im Land zu kritisieren. Daß sich diese zu großen Teilen berechtigte Kritik immer wieder mit mehr oder weniger wilden Verschwörungstheorien vermischt, dürfte für die behördliche Einstufung seiner Gefährlichkeit dabei weniger entscheidend sein als seine enorme Reichweite und, man kennt es ja, die „falschen Kontakte“, die Naidoo hat und zu denen er sich inzwischen auch ganz offen bekennt.

Angekündigt, Corona-Kabinett zu verklagen

Nachdem der populäre Sänger in dieser Woche jetzt auch noch angekündigt hat, die Bundesrepublik wegen der Freiheitseinschränkungen des Corona-Kabinetts verklagen zu wollen, dürfte er bereits mit einem Fuß im Gefängnis, der Psychiatrie oder zumindest dem nächsten Verfassungsschutzbericht stehen. Selten hat man allerdings jemanden erlebt, dem das so egal zu sein schien.

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