VW Golf: Die individuelle Mobilität soll verschwinden
VW Golf: Die individuelle Mobilität soll verschwinden Fotos: picture alliance / empics / JF-Montage
Neue Vorschriften für Verbrenner

Wie die EU die Golfklasse in die Tonne tritt

Der Vernichtungsfeldzug gegen die freie Mobilität mit dem Auto geht in seine letzte Runde. Nicht anders sind die jüngsten Ideen zu bewerten, die aus Brüssel bekannt geworden sind. Durchgesickert sind EU-Pläne für die nächste Abgasnorm Euro 7, nach der praktisch keine Abgase aus dem Auspuff von Autos mit Benzin- oder Dieselmotor mehr kommen dürfen.

So sollen die Emissionen für Stickoxide von bisher 60 Milligramm beziehungsweise 80 (mg) pro Kilometer auf bis zu zehn mg pro Kilometer gesenkt werden, also bis auf ein Hauch von Nichts. Gleichzeitig sollen die Motoren noch weniger CO2 ausstoßen. Dazu müßten die Motorenentwickler den Druck und die Temperatur im Brennraum noch weiter erhöhen, dabei allerdings entstehen wiederum mehr Stickoxide.

Diese werden beim Diesel derzeit von aufwendigen SCR-Katalysatoren mit Hilfe der über AdBlue hinzugefügten Harnsäure beseitigt. Katalysatoren arbeiten nur in bestimmten Temperaturbereichen; vor allem bei kalten Außentemperaturen dauert es einige Minuten, bis der Motor auch die Abgasanlage mit Kat aufgeheizt hat. Die Ingenieure bauen beim Diesel bereits Heizungen ein und wärmen den Katalysator elektrisch vor. Die aufwendige Abgasreinigungstechnik funktioniert, kostet jedoch zusätzlich Sprit und ist teuer.

Die individuelle Mobilität soll verschwinden

Nach den neuen EU-Plänen soll die Abgasreinigung auch bei deutlich niedrigeren Temperaturen als bisher sofort funktionieren ebenso wie bei Vollgasfahrten und Fahrten in größeren Höhen mit dünnerer Luft. Entsprechend sollen die Testbedingungen verändert werden.

Das ist mit Verbrennermotoren nicht mehr zu erreichen. Die sind heute so sauber wie noch nie. Doch bislang ist nicht bekannt, daß sie rein mit Luft und Liebe betrieben werden können. Hildegard Müller (CDU), Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) warnte gegenüber der Bild-Zeitung deshalb auch folgerichtig: „Mit der Einführung der geplanten Euro-7-Norm wird die EU-Kommission Autos mit Verbrennungsmotor ab 2025 de facto verbieten.“

Über den Sinn oder Unsinn der Grenzwerte muß man nicht mehr reden. Sie liegen weit jenseits dessen, was eine Gefahr für Gesundheit oder Umwelt bedeuten könnte. Sie dienen nur einem Zweck: einen Vorwand zu liefern, das Auto und die individuelle Mobilität zu zerstören.

Über Normen zerstört man Technologien

Die EU also will weiter das tun, was grünlinke Truppen im Hintergrund schon immer wünschen: Auto weg! Kraftwagen direkt verbieten – das käme nicht gut an. Über Normen zerstört man Technologien, auch wenn dabei Rechtsgrundsätze über Bord geworfen werden, und vor allem Dieselfahrer Wertverluste in beispiellosen Ausmaßen erduldeten – dennoch erstaunlich ruhig blieben.

Der Bundestagsabgeordnete und ehemalige Daimler-Automobilingenieur Dirk Spaniel (AfD): „Ein Rechtsstaat bedeutet Rechtssicherheit. Ein Kunde muß wissen, daß er sein Auto auch in den kommenden Jahren noch fahren darf, ein Hersteller muß wissen, daß sich seine Investition über die nächsten Jahre rechnet. Beides ist hier nicht mehr der Fall.“

Hier werde vom Gesetzgeber herumgetrickst, wo es nur geht: „Das Auto ist denen ein Dorn im Auge und muß weg. Das geht nur, wenn es teuer gemacht wird. Die Leute sollen mit dem Fahrrad oder in Kollektivsystemen fahren.“

Die erstaunliche Ruhe der Automobilindustrie

Die neuen EU-Pläne sind gewissermaßen nur noch das Tüpfelchen auf dem „i“. Bereits mit den aktuellen Vorschriften, die vor zwei Jahren beschlossen wurden und ab Januar des kommenden Jahres gelten, werden Autos so verteuert, daß sie kaum noch bezahlbar sind. Die CO2-Werte dürfen im Flottenverbrauch nicht mehr 95 Gramm pro Kilometer überschreiten. Das bedeutet umgerechnet, daß Autos nicht mehr 3,6 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen dürfen, teilweise sogar nur noch 2,2 Liter. Alles, was darüber hinaus geht, kostet 95 Euro pro Gramm – vom Hersteller nach Brüssel zu überweisen. Ein Kleinwagen wird mit Strafzahlungen von 3.000, 4.000 Euro belegt, bei größeren Wagen können das 10.000 bis 15.000 Euro bedeuten.

Heißt: Die sogenannte „Golfklasse“ und alles darunter wird wahrscheinlich mit dieser Gesetzgebung verschwinden. Doch neu ist das alles nicht. So verkündete sogar ein Gewerkschaftsvertreter 2018 in einer Anhörung im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages: „Gehen Sie davon aus, daß mit dieser Gesetzgebung die Fertigung unterhalb der Golfklasse in Europa nicht mehr wirtschaftlich ist.“

Erstaunlich ist vielmehr die Ruhe, die vor dem Sturm in der Autoindustrie herrscht. Die Propaganda betont die Wunderwaffe Elektroauto. Doch das steht und fällt mit einem geeigneten Energiespeicher. Der ist bisher auch nicht ansatzweise am Horizont sichtbar. Energie, das gibt die Thermodynamik vor, speichert und transportiert man am besten in Form von Kohle, Erdöl oder Erdgas.

Hersteller könnten ihre Produktion einfach verlagern

Das Erstaunliche: Es geht, diese Aussage ist wohl gerechtfertigt, um die wohl größte volkswirtschaftliche Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg, die der Industrielandschaft in Deutschland bevorsteht – dennoch findet sie mit wenigen Ausnahmen wie dem jüngsten Bild-Bericht kaum in der öffentlichen Diskussion statt. Das Parlament schläft, lediglich Spaniel blieb es vorbehalten, in einem Wutausbruch seinem Zorn freien Lauf zu lassen:

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„Alle, die jetzt hier mitgedacht haben“, rief er den Abgeordneten zu, „können froh sein, daß Sie Politiker sind und nicht in der Wirtschaft ihr Geld verdienen müssen“. Es sei „unfaßbar, von welchen Leuten, dieses Land regiert wird“.

Wenn in Europa keine Verbrennermotoren mehr zugelassen werden, heiße dies: „Die deutschen Hersteller müßten ihre Autos alle komplett exportieren. Ja, wer ist denn so bekloppt als Autohersteller und exportiert seine Autos aus dem teuren Deutschland nach Amerika oder Rußland, wenn er es so vor Ort ohne Importzölle und bei niedrigeren Arbeitskosten bauen kann.“

Mehr Steuerkohle für Elektroautos

Wir sollen alle Elektroauto fahren. Die werden von der EU mit „null“ Emissionen angerechnet – mehr Schwindel geht kaum. Doch trotz der bereits großzügig bereitgestellten Zuschüsse an Steuerkohle will sie kaum jemand, weil die Reichweiten zu gering sind. Eine Lösung, die möglicherweise am heutigen Dienstag bei einem weiteren „Auto-Gipfel“ im Kanzleramt herauskommen könnte: Noch mehr Geld für den Kauf eines Elektroautos und wieder einmal das Versprechen, mehr Lademöglichkeiten für E-Autos zu schaffen.

Von den fehlenden Strommengen für Hunderttausende von Elektroautos schweigen sie besser.

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