Demonstration für die Rechte Transsexueller in Pamplona, Spanien (Symbolbild) Foto: picture alliance / AP Photo
Transgender-Hype

Tanz ums rosafarbene Kalb

Die Ökonomin Maya Forstater wurde vom Think-Tank „Centre for Global Development“, der sich der Bekämpfung der Armut verschrieben hat, wegen angeblich transphober Äußerungen entlassen. Sie hatte gewagt, zu behaupten, es gebe nur zwei Geschlechter und Männer könnten nicht zu Frauen werden.

Das Londoner Arbeitsgericht bestätigte jetzt die Entscheidung ihres früheren Arbeitgebers: „Auch unter Berücksichtigung der Meinungsfreiheit darf man nicht erwarten, daß Ansichten geschützt werden, wenn sie andere Menschen in ihrer Würde verletzen oder eine feindselige Atmosphäre schaffen.“

Es gibt keine Geschlechtsumwandlungen

Bekannt wurde der Vorfall vor allem deswegen, weil sich Harry-Potter-Erfinderin J.K. Rowling mit Forstater solidarisiert hatte. Nun wird der Bestseller-Autorin selbst Transphobie vorgeworfen. Noch vor wenigen Jahren wurde Rowling als leuchtendes Beispiel für „Vielfalt“ gefeiert, weil sie erklärt hatte, Zaubermeister Albus Dumbledore sei schwul. Dieses „Outing“ erfolgte jedoch erst nachträglich; in den Romanen spielt seine sexuelle Orientierung keine Rolle.

Ohne Zweifel hat Forstater Recht. Transsexuelle mögen in ihrem Alltagsleben eine neue Geschlechtsrolle finden – biologisch gehören sie aber immer noch ihrem ursprünglichen Geschlecht an. Auch die oft beschworene Geschlechtsumwandlung ist keine – medizinisch spricht man von einer Geschlechtsangleichung.

Die chromosomale Geschlechtsidentität ändert sich nicht, die neuen Geschlechtsorgane sind nicht fortpflanzungsfähig und produzieren keine Geschlechtshormone, diese müssen künstlich zugeführt werden. Auch nach einer Operation sind viele Transsexuelle äußerlich als solche zu erkennen. Bartwuchs und Stimme ähneln oft noch dem ursprünglichen Geschlecht.

Abkehr von den „pussy hats“

Das linksliberale Milieu hat selbst ein gespaltenes Verhältnis zur Wissenschaft. Konservative Christen, die die Evolutionslehre ablehnen, werden belächelt – aber in der Debatte um Transsexualität sollen biologische Fakten auf einmal nicht mehr gelten. In den vergangenen Jahren nahm der Tanz ums Goldene Kalb immer seltsamere Formen an. 2017 trugen Feministinnen beim Frauenmarsch, der sich gegen den neuen US-Präsidenten Donald Trump richtete, sogenannte Pussy Hats, pinke Wollmützen, die weiblichen Genitalien nachempfunden sein sollen. Schon ein Jahr später nahm man davon wieder Abstand. Man hatte erkannt, daß die „pussy hats“ rassistisch und transphob waren, schließlich würden sie Frauen mit „braunen Genitalien“ und Frauen mit Penissen ausschließen.

Jessica Yaniv, die sich als Frau fühlt, aber immer noch über Penis und Hoden verfügt, wittert überall Transphobie. Schließlich werde sie gezielt von Intimwaxing und dem Besuch eines Gynäkologen ausgeschlossen. Sessie Blanchard durfte im Magazin „Vice“ verwundert fragen, warum heterosexuelle Männer keinen Sex mit ihr haben wollten, das sei ja intolerant. Die feministische Gleichung „Nein heißt Nein“, laut der Sex immer einvernehmlich sein soll, scheint in diesem Fall nicht zu gelten.

Gleichzeitig beschwerte sie sich über Männer, die gezielt den Sex mit Transsexuellen suchten. Und der Meinungsbeitrag eines Mannes, der vom Sex mit einer Lesbe schwärmt, wäre vermutlich im linksliberalen Lager als sexistisch, aber nicht als „mutig“ aufgenommen worden. Seit einigen Jahren ist das Thema in aller Munde. Immer häufiger wird über die Notwendigkeit von Unisextoiletten diskutiert. Etwa seit 2014 weist das SPIEGEL-Archiv einen nahezu explosionsartigen Anstieg der Begriffe „transgender“ und „transsexuell“ aus.

Opfer-Narrativ

Auch verschiedene psychologische Anlaufstellen berichten, daß eine regelrechte „Schwemme“ eingesetzt habe. Immer mehr Jugendliche fühlten sich falsch im eigenen Körper. Wissenschaftler befürchten, daß es „trendy“ geworden sei, die eigene Geschlechtsidentität zu hinterfragen. Weniger häufig wird in den Medien berichtet, daß manche Personen irgendwann wieder zu ihrem früheren Geschlecht zurückkehren wollen – doch der operative Eingriff ist irreversibel. Mehrere Fälle von Selbstmorden sind bekannt.

In der aktuellen Trans-Euphorie spielt zum Einen das beliebte Opfer-Narrativ eine Rolle. Immer mehr diskriminierte Minderheiten werden gesucht, die man fördern und beschützen kann, um sich selbst als edler Ritter zu fühlen. Diskriminierungen wegen der Rasse, der Religion, des Geschlechts oder einer Behinderung werden nun um Diskriminierungen wegen der geschlechtlichen Ausrichtung erweitert.

Vermutlich spielt aber etwas ganz anderes eine Rolle: In den Gender-Studies wird immer wieder vor „toxischer Maskulinität“ gewarnt. Diese ist für fast alle Übel der Welt verantwortlich. Für Krieg, Mord und Totschlag. Für Vergewaltigungen, für Ausbeutung im Kapitalismus, für Tote durch illegale Straßenrennen, für Todesfälle durch Krankheiten, weil ein „echter Mann“ nicht gleich zum Arzt rennt.

Es geht um Umerziehung

Wäre es da nicht wünschenswert, den weißen, heterosexuellen Mann zu einem geschlechtslosen Wesen umzuerziehen, um endlich das Paradies auf Erden zu errichten? Aber in diesem Punkt irren die Gender-Ideologen. Das gefühlte Geschlecht und das biologische Geschlecht sind keineswegs so unabhängig voneinander, wie mancher es glauben mag.

Das Geschlecht ist weder formbar noch frei wählbar. Transsexuelle Personen wollen ihr Geschlecht nicht aus einer Laune heraus wechseln. Meist sind es hormonelle Einflüsse, die dafür sorgen, daß ein Mann ein eher weibliches Gehirn und umgekehrt hat. Transsexualität bestätigt also den starken Einfluß der Biologie auf den Menschen, statt ihn zu widerlegen.

Demonstration für die Rechte Transsexueller in Pamplona, Spanien (Symbolbild) Foto: picture alliance / AP Photo

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