Siegesfeier in Berlin

Falsche Verbrüderung

Man muß kein „Transatlantiker“ oder „Putin-Fresser“ sein, um manches, was in der AfD vor sich geht, als deplaziert, würdelos und geschichtsvergessen zu verurteilen. Es gibt viele gute Gründe, sich für eine Verbesserung der deutsch-russischen Beziehungen einzusetzen, der 9. Mai aber ist hierfür der völlig falsche Anlaß.

An diesem Tag feiern Russen den Sieg der Roten Armee über die Wehrmacht und das nationalsozialistische Deutschland. Das ist ihr gutes Recht, schließlich hatte kein anderer Weltkriegsteilnehmer mehr Tote zu beklagen als Stalins Sowjetunion.

Doch den Deutschen wurde von den Sowjets mit der Kapitulation nicht der Friede gebracht – und erst recht nicht Freiheit und Demokratie. Für viele Deutsche bedeutete der 8. und 9. Mai zwar das Ende des Krieges, nicht aber des Leidens und Sterbens. Vergewaltigung, Plünderung, Vertreibung und Mord waren vielerorts die Begleiter der Roten Armee. Stalins Truppen kamen auch nicht als Befreier, sondern als Besatzer, und für die Bürger der späteren DDR hatten sie bereits die nächste Unfreiheit im Marschgepäck.

Das hinderte den Thüringer AfD-Abgeordneten Robby Schlund allerdings nicht daran, am gestrigen Donnerstag einen Kranz für die AfD-Bundestagsfraktion am sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow niederzulegen, für die ruhm- und siegreiche Rote Armee. Daß Schlund dies ohne Wissen der Fraktion getan hat, ist unwahrscheinlich. Schließlich hat er bereits im vergangenen Jahr am 9. Mai gemeinsam mit Russen, deutschen Altkommunisten und linken Deutschlandhassern den „Tag des Sieges“ gefeiert.

Schlund mag darin ein Zeichen der Versöhnung sehen und eine freundschaftliche Geste an das heutige Rußland. Für eine Partei, die für sich in Anspruch nimmt, eine patriotische Alternative zu sein, sollte es sich allerdings verbieten, den Siegern von einst am 9. Mai Kränze zu binden.

Gedenkveranstaltung am sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow für den Sieg der Roten Armee Foto: picture alliance/Carsten Koall/dpa

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