Fridays-for-Future-Sprecherin Luisa Neubauer Foto: picture alliance/Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa
Großkundgebung im Berliner Olympiastadion

Die Rettung der Welt kostet 29,95 Euro

Im Berliner Olympiastadion wird schon bald eine politische Großkundgebung der Superlative stattfinden. Am 12. Juni wollen sich in dem Stadion im Stadtteil Westend 90.000 Unterstützer von Greta Thunberg, Luisa Neubauer und Co.versammeln, um dort gemeinsam mehrere Petitionen an den Bundestag zu unterschreiben. Die geplante Aktion sagt vieles über die gefährliche Mischung aus Gigantomanie, Naivität und Arroganz, die hinter der gesamten Klimaschutzbewegung steckt.

Das beginnt schon damit, daß so viele Menschen auf einem Haufen, die alle gleichzeitig die gleichen Online-Petitionen unterzeichnen wollen, technisch eine ziemliche Herausforderung darstellen dürften. Selbst im Berliner Olympiastadion mit bestem Equipment, und auch wenn die Smartphones, mit denen das geschehen soll, noch so klimafreundlich sein mögen.

Mit Kondom-Herstellern gegen die „größte Krise der Menschheit“

Auch haben die Veranstalter offenbar nicht bedacht, daß der kommerzielle Charakter einer solchen Mega-Veranstaltung nicht sonderlich gut ankommen dürfte bei der in weiten Teilen linkssozialistischen Zielgruppe, die man durch plumpe Kapitalismuskritik selbst angefüttert hat. Das Video, das auf dem YouTube-Kanal „TownhallsForFuture“ zu der geplanten „Bürgerversammlung“ veröffentlich wurde, wirkt genau wie das, was es eben ist: Ein professionell produzierter Werbefilm.

Auch wenn die Produzenten sehr darauf geachtet haben, die darin auftretenden Promis vor möglichst bescheidener Kulisse zu präsentieren und sie diese Bescheidenheit auch in ihren Statements noch einmal überdeutlich betonen lassen. Es gehe eben nicht darum, „ein krasses Glossy-Video“ abzufeiern oder darum, daß „wir riesen Stars haben“, sondern „um die Zukunft der Zivilisation“, also „um dich, um mich, und uns alle zusammen“, lassen Charlotte Roche, Luisa Neubauer sowie gleich drei Jungunternehmer des Kondom-Herstellers „einhorn“ die Zuschauer wissen.

„Die größte Krise der Menschheit“ wollen die Protagonisten des Videos lösen. Möglich werden soll all das mit eben jenen Massen-Petitions-Unterzeichnungen im Olympiastadion. Als Motivations-Beispiel für eine solche politische „Veränderung in Lichtgeschwindigkeit“ nennen die Lobbyisten die erfolgreiche Aktion zur Senkung der Mehrwertsteuer auf Menstruationsprodukte.

Kritik aus den eigenen Reihen

„Im Moment der Verkündung des neuen Mehrwertsteuersatzes“, so sagen die professionellen Beeinflusser, „fühlten wir alle, die daran beteiligt waren, uns aber nicht nur unfaßbar ermächtigt und erstgenommen, sondern wir spürten die geballte Power des geilen Systems der Demokratie“.

Auch bei der neuerlichen Aktion in Berlin soll es um weit mehr gehen als nur um die Klimakrise. Die haben die kulturmarxistischen PR-Profis nämlich sowieso schon längst zu einem Codewort gemacht, mit der so ziemlich alles durchgedrückt werden kann, was dem modernen Globalisten unter den linksgrünen Nägeln brennt. „Ungerechtigkeit“, „Rassismus“, „Diskriminierung“ – gegen all diese Probleme machen die prominenten Werbegesichter in dem Kampagnen-Video mobil.

Ein Problem ist aber die Finanzierung. Deshalb kostet die Beteiligung an der Revolution diesmal auch Eintritt. Darum erntet die Aktion der „Fridays for Future“-Leute diesmal auch Kritik aus den eigenen ideologischen Reihen. „Extinction Rebellion“-Sprecherin Annemarie Botzki etwa kritisiert: „Die eigentliche Absicht, Menschen aus allen sozioökonomischen Kontexten abzubilden und gerade denen politische Partizipation zu ermöglichen, die sich dies ansonsten eher weniger zutrauen, ist hier in keiner Weise gegeben.“ Durch die Eintrittspreise könnten Stimmen lauter werden, die die Bewegung ohnehin schon dafür kritisieren, daß sie nur für junge Menschen der gebildeten Mittel- und Oberschicht attraktiv sei.

Wohlstandsverwöhnte Truppe

Die Videomacher hatten mit solchen Einwänden ganz offenkundig nicht gerechnet. Kostet ein Ticket doch nur 29,95 Euro. „So billig war die Weltrettung noch nie“, sagt Luisa Neubauer tatsächlich wortwörtlich in dem Crowdfunding-Clip. Außerdem sei ein Ticket für die Veranstaltung doch auch ein „gutes Weihnachtsgeschenk“, fügt Charlotte Roche hinzu.

Auf die Kritik reagiert Neubauer exakt so, wie man es von einer wohlstandsverwöhnten Tochter aus besserem Hause erwarten würde. „Olympia kann und soll die wichtige Arbeit von Aktivisten nicht ersetzen“, betont sie. Das Event sei vielmehr als Zusatzangebot zu verstehen. Wenn diejenigen, die eine kostenlose Versammlung fordern, diese selbst organisieren, fände sie das „großartig“.

Das klingt nicht nur wie die Empfehlung von Kuchen als Brotersatz für die Hungernden, das ist auch so gemeint. Überhaupt wissen die Angehörigen der Klima-Elite doch längst: Das Prekariat ist kein Teil der Lösung bei der Rettung der Erde, es ist das Problem. Eine bessere Welt hat eben ihren Preis. Das sich den nicht jeder leisten kann, ist nun wirklich nicht die Schuld von Luisa und ihrer hippen Partytruppe.

Die Grenze zum Größenwahn endgültig überschritten

Für Zoff innerhalb der vermeintlich eigenen Clique sorgt auch der Ort der Veranstaltung. Ist das Olympiastadion doch schließlich durch Olympia 1936 und Mario Barth 2014 als Propaganda-Spielstätte reichlich vorbelastet. Wenn die Köpfe der Bewegung dann auch noch von „90.000 Weltbürger*innen, die das Gleiche wollen“ sprechen, kann auch die stärkste globale Erwärmung nicht mehr verhindern, daß es nicht nur vielen in den eigenen Reihen eiskalt den Rücken herunterläuft.

An der Frage, ob es sich beim menschengemachten Klimawandel um ein aufgebauschtes Problem oder um die Kernfrage der Zukunft handelt, scheiden sich nach wie vor die Geister. An der Aufgeblasenheit und dem Größenwahn der Weltuntergangsprediger von „Fridays for Future“ kann es – spätestens jetzt – allerdings wohl keinerlei Zweifel mehr geben.

Fridays-for-Future-Sprecherin Luisa Neubauer Foto: picture alliance/Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

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