Werteexport als künftiges Standbein

Deutscher Größenwahn

Wollte man im Zuge der Flüchtlingspolitik mal eben „nur“ Europa deutsche Willkommens- und Klatschkultur aufdrücken, steht mittlerweile die ganze Welt im Fadenkreuz bundesrepublikanischer Moralgeschütze. Unter der Rettung des Planeten geht es nicht mehr. „Wenn unser Wertesystem Standard überall in der Welt sein soll, geht das nur mit starkem Deutschland und starkem Europa“, verkündete Mini-Merkel Annegret Kramp-Karrenbauer kürzlich auf Twitter. Als Angela Merkel am Rand des G20-Gipfels in Buenos Aires nach einem Abendessen ins Blitzlichtgewitter einer Smartphone-Menge gerät, schreiben die deutschen Mainstreammedien den Argentiniern zu, die Bundeskanzlerin „gefeiert“ zu haben.

Die Botschaft: Merkel ist nicht nur die mächtigste Frau der Welt, sondern auch ein Star, ihre Politik zwischen offenen Grenzen und Atomausstieg ist ein Star, das liberale Deutschland ist ein Star. Wir waren Papst, nun gilt es nach der religiösen Führung die politische zu erringen. Erst recht nachdem die USA mit dem „meschuggen“ Trump als „Weltleader“ ausfallen.

Die neuen deutschen Tugenden wirken technik- und wirtschaftsunabhängig

„Irgendwer muß doch diesen Laden zusammenhalten, der sich Weltgemeinschaft nennt“, schreibt Spiegel-Kolumnist Stefan Kuzamy online und erklärt Merkel kurzerhand zur „Weltmarke“ und zum „Exportschlager“, der auch nach einem Auszug aus dem Kanzleramt „für das Gute der Menschheit wirkt“.

Es reicht nicht mehr als Kanzler über Deutschland zu sein, Angela Merkel ist überall – selbst wenn der Airbus nicht funktioniert. Denn die neuen deutschen Tugenden, für die uns längst nicht mehr alle beneiden, wirken technik- und wirtschaftsunabhängig – das ist das schöne an ihnen. In Deutschland wird die Cebit eingestampft, 5G in Milchkannen ertränkt, in KI zu spät investiert und um die digitale Bildung gezankt. Das Land – von dessen Bewohnern mal gesagt wurde, sie könnten aus einer Konservendose alles erfinden – verliert zunehmend seine Position als Innovationsmotor. China mag die Produktionsstandorte anziehen, aber wir die NGOs zu Soros Gnaden.

Werte- statt Warenexport

Denn zum Glück baut die politische Elite neben dem noch starken Warenexport längst den Werteexport als künftiges Standbein auf.

Da braucht man mittel- bis langfristig gar keine Schlüsselindustrien mehr wie die Automobilbranche. Neue Hybris: Während Hunderte Millionen Chinesen, Inder und Brasilianer ansetzen, sich ein Auto zu kaufen, werden in deutschen Städten mit wenigen Millionen Bewohnern Dieselfahrverbote eingeführt.

Angela Merkel in Argentinien – und überall Foto: dpa

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