Kritik an Kopftuch-Barbie

Moderner Wächterrat

Sicher, es gibt Frauen, die tragen freiwillig ein Kopftuch oder gar eine Burka, so wie es Menschen gibt, die aus freiem Willen nicht zur Schule gehen. Es gibt auch Leute, die sich gezielt dominante Partner suchen, die ihnen sagen, wie sie sich anzuziehen haben, wann sie reden dürfen und wann schweigen müssen und wie sie sonst so ihr Leben führen sollen.

Fakt ist aber auch: Weltweit werden unzählige Frauen gezwungen, sich zu verhüllen – im Namen des Islam. Sie dürfen keine Schule besuchen, müssen einem Mann dienen, den andere für sie ausgesucht haben und dürfen das Haus nicht ohne seine Erlaubnis verlassen. Für sie ist das Kopftuch ein Symbol der Unfreiheit.

Um so bemerkenswerter ist es, daß der US-Spielzeughersteller Mattel seine neueste Barbie mit ebenjenem Symbol ausstattet. Und noch erstaunlicher ist es, daß ausgerechnet deutsche Journalisten, die als die Krönung der modernen Gesellschaft gelten, ebenjenes Symbol auch noch als Zeichen der Emanzipation feiern.

„Frauenunterdrückung ist kein Spielplatz“

Endlich muß Barbie nicht mehr nur schick aussehen, mit Minirock und Bikini, sondern darf sich auch züchtig verhüllen. Daß sich ein kapitalistischer Großkonzern mit der Kopftuch-Barbie möglicherweise einfach nur einen neuen Absatzmarkt erschließen will und dabei auf die Frauenrechte pfeift, störte die sonst so globalisierungskritischen Journalisten hingegen nicht.

Auf nichts anderes wollte die Publizistin Birgit Kelle aufmerksam machen, als sie einen kurzen Kommentar auf Facebook zur neuen Kopftuch-Barbie postete. Jetzt fehle nur noch das Barbie-Spielhaus, um lustig nachzustellen, wie Ken seine Barbie auspeitschen oder steinigen lasse, weil sie den Hidschab abgelegt hat, schrieb Kelle. Um dann aber unmißverständlich klarzustellen: „Frauenunterdrückung ist kein Spielplatz.“

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch in Zeiten, in denen ein Kopftuch als Symbol der Emanzipation gefeiert wird und ein Justizminister behauptet, die Meinungsfreiheit zu schützen, indem er bestimmte Meinungen per Gesetz untersagt, ist eben nichts mehr selbstverständlich. Vor allem nicht, wenn man sich kritisch über das moderne goldene Kalb äußert. Dann kann man die Uhr danach stellen, daß die ersten Tugendwächter aus ihren Löchern kriechen und empört „Islamophobie“ rufen.

„Umstrittene Publizistin“

In Kelles Fall war das die Huffington Post, die der „umstrittenen Publizistin“ vorwarf, mit dem Kommentar „ihren ganzen Haß öffentlich hinauszuposaunen“. Überschrift: „Barbie stellt eine neue Puppe vor – und die Rechten in Deutschland drehen durch“.

So viel Empörung blieb natürlich nicht ohne Wirkung: Nur wenige Stunden später sperrte Facebook Kelles Account – für sieben Tage. Sie habe mit ihrem Post gegen die Facebook-Richtlinien verstoßen, hieß es in einer Mitteilung des sozialen Netzwerks. Um dies künftig zu vermeiden, solle sie bitte die Facebook-Gemeinschaftsstandards lesen.

Doch ein Blick in die Richtlinien hilft auch nicht weiter. Daß Kopftuch-Kritik neuerdings einen Verstoß gegen die Facebook-Regeln darstellt, läßt sich diesen nicht entnehmen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Schließlich obliegt es Heiko Maas und seinem journalistischen Wächterrat, zu definieren, was Hate Speech ist und was nicht.

Kopftuch-Barbie und Kelles Kritik daran: Foto: picture alliance/AP/Invision; Facebook

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