Markus Krall Freiheit oder Untergang
Erdogan
Der türkische Präsident Erdoğan in Istanbul Foto: picture alliance/abaca

Meinung
 

Kleiner Präsident ganz groß

Hört, hört: 13 Wahllokale für türkische Staatsangehörige hat die Bundesregierung für Erdoğans Verfassungsreferendum vom 27. März bis zum 9. April genehmigt, und das teils auch außerhalb konsularischer Vertretungen. Im Klartext: Die Merkel-Regierung schustert der Junta um den türkischen Präsidenten eine, vielleicht sogar eineinhalb Millionen potentieller Ja-Stimmen zur Errichtung einer Präsidialdiktatur in Ankara zu. Ein Liebesdienst im Austausch gegen den Flüchtlingsdeal, der die Türkei zwingt, Mittelmeer-Migranten ohne Aussicht auf europäisches Asyl bei sich aufzunehmen.

Derweil schleudert Erdoğan mit seinen Beleidigungen nur so um sich. Duzt die deutsche Kanzlerin wie seine Angestellte: „Du benutzt gerade Nazi-Methoden. Bei wem? Bei meinen türkischen Geschwistern in Deutschland, bei meinen Minister-Geschwistern, bei meinen Abgeordneten-Geschwistern, die dorthin reisen.“

Wozu den Maulhelden spielen?

Kleiner Präsident ganz groß. Fehlt nur noch, daß er uns was von Wien 1529 erzählt, oder von 1683. Beides krachende Niederlagen beim Versuch, das christliche Europa zu erobern.

Was soll das Getue überhaupt? Wenn es darum ginge, einander runterzumachen, hätten wir kein Gramm weniger Pulver auf der Pfanne. Nur wozu den Maulhelden spielen? Es ist schon unangenehm genug, was da aus Ankara zu uns dringt. Recep Tayip Erdoğan, der dem Vernehmen nach seine Umfragewerte genau kennt, muß große Angst vor dem Verlust des anstehenden Referendums haben. Würde er sonst so verzweifelt Deutschenhaß schüren?

Die Türkei gehört nicht zu Europa

Ungeachtet dessen verstört das Berliner Entgegenkommen. Wer hierzulande Wahllokale zuläßt, kann nicht gleichzeitig behaupten, Deutschland habe mit der türkischen Abstimmung nichts zu tun. Der Eindruck verhärtet sich, daß man im Kanzleramt einfach nicht von der Vorstellung lassen kann, die Türkei und Europa wüchsen in irgendeiner Weise zusammen.

Dabei zeigt der Eklat einmal mehr: Die Türkei gehört nicht zu Europa, sie will es nicht, und das weiß sie auch. Am besten weiß das Bey Erdoğan, wenn er im Despotenstil die Kanzlerin duzt. In Berlin mag man ja Ehre für einen überwundenen Begriff halten. Im Umgang mit Asiaten ist dergleichen „fortschrittliche“ Gesinnung wenig hilfreich. Die deutsche Regierung würde einen stärkeren Eindruck hinterlassen, wenn sie die Idee mit den 13 Wahllokalen schleunigst wieder einstampfte.

Der türkische Präsident Erdoğan in Istanbul Foto: picture alliance/abaca
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