Internationaler Weltfrauentag

„Frauenkampf heißt Klassenkampf“

Mehr Rechte, mehr Sozialismus, mehr Frauen! Das Ziel der deutschen Sozialistinnen rund um Clara Zetkin im Jahr 1910 auf der „Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz“ in Kopenhagen war klar: Sie und weitere Frauen, allen voran aus Übersee, kämpften für das Wahlrecht ihres Geschlechts. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, beschlossen sie an einem Augusttag in Dänemark die Einführung eines internationalen Frauentages:

„Im Einvernehmen mit den klassenbewußten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient.“

Eine durchdachte Marketingstrategie, die schon im ersten Jahr sogar der männliche Vorstand des sozialdemokratischen Parteitages in Deutschland als „wuchtige sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht“ bezeichnete. Tausende Frauen strömten in Folge zu sozialistischen Parteien. Bis im Jahr 1918 ihre Forderungen erhört wurde, das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht für alle Frauen in Deutschland und Österreich eingeführt wurde und es plötzlich still um die Bewegung wurde.

Eine sozialistische Idee durch und durch

Das Suchen nach neuen Kampfthemen gestaltete sich in der Zwischenkriegs- und folgenden Kriegszeit ob der gewichtigeren Sorge um die Ernährung der Familie als eher schwierig. Eingeführt wurde der Frauentag erst wieder 1946 in den sowjetischen Besatzungszonen. Unter dem Motto „Frauenkampf heißt Klassenkampf“ erlebte die Bewegung in der DDR ihren zweiten Frühling.

Was aber bleibt den feministischen Traumtänzerinnen, die mit schriller Stimme gegen den Kapitalismus kämpfen, heute noch? Der Rosenverkäufer an der Ecke hat auf der Rückseite des Valentinstags-Plakats schon den Hinweis angebracht: „Am 8. März ist Frauentag, schenken Sie Ihrer Frau Blumen!“

Redaktionschauvinismus at its best

Von den einstigen Bestrebungen der sozialistischen Vorkämpferinnen blieb bis auf den Begriff „Kampf“ allerdings wenig über. Außer ein übersteigerter Kampffeminismus im täglichen Krieg gegen das männliche Geschlecht, Frauenquoten in der Holzfällergewerkschaft, schwangerenkonforme Panzer bei der Bundeswehr oder gendergerechte Schneeräumung in Schweden.

Was den Deutschen an diesem Tag wirklich bewegt? „Eisbären-Baby Fritzi ist tot“, „Trump beschimpft CNN-Chef“, „Erdogan wirft Deutschland Nazi-Methoden vor“. Keine einzige Frau, trotz hysterisch geforderter Quote. Haben die Redaktionen dieses Landes ihre Hausaufgaben aber auch wirklich nicht gemacht? Sogar das Eisbärenbaby wurde mit dem falschen Geschlecht geboren.

Frauentag: Vom Kampf um das Wahlrecht zum Kampf gegen den Mann Foto: picture alliance / Winfried Rothermel

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