Meinung

Flügelschlagen statt Feierstimmung

2017 – welch ein erfolgreiches Wahljahr für die AfD. Der Alternative für Deutschland ist der Einzug in die Landtage von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und des Saarlandes gelungen. In 14 von 16 Landesparlamenten mischt die AfD mit. Und im Bundestag ist sie mit einem zweistelligen Ergebnis zur drittstärksten Fraktion geworden.

Nach einer solchen, in der deutschen Parlamentsgeschichte einmaligen Siegesserie wäre am Jahresende eigentlich ein Parteitag des Triumphes fällig. Die AfD ist anders. Statt Feierstimmung Flügelschlagen. Es geriet auf dem Parteitag in Hannover so heftig, daß Übervater Alexander Gauland die Notbremse ziehen mußte.

Er hat sich eher widerwillig in die Pflicht nehmen lassen und neben Co-Chef Jörg Meuthen zum Parteivorsitzenden wählen lassen. Respekt. Gauland ist der Stabilitätsanker in der noch immer „gärigen“ Partei. Der AfD-Senior hat noch einmal, wohl ein letztes Mal, die Partei zusammengehalten. Mit dem „gefährlichen Zustand“ hat der Nationalkonservative seinen Schritt begründet, den er eigentlich gar nicht gehen wollte.

Zwei Strömungen — eine Partei

Gefährlich schien ihm das unerwartete Abstimmungs-Patt zweier Kandidaten bei den Vorstandswahlen. Da hatte der liberalkonservative Georg Pazderski, ein Realpolitiker mit Koalitionsvisionen, das Nachsehen gegenüber einer weithin unbekannten Überraschungskandidatin namens Doris von Sayn-Wittgenstein, angefeuert vom rechtsnationalen „Flügel“. Damit hatte niemand gerechnet.

Zwei Strömungen — eine Partei. Ein „gäriger Haufen“ wie der neue Co-Parteichef neben Jörg Meuthen nicht müde wird, Macht- und Richtungskämpfe in der AfD zu erklären. Im Frühjahr feiert die Partei ihren fünften Gründungstag. Seitdem ist viel Personal verschlissen worden. Parteigründer Bernd Lucke ist von Bord gegangen, Parteichefin Frauke Petry ebenfalls.

Geblieben ist Alexander Gauland, der Kompromißkandidat der beiden Strömungen. Wer dem 76jährigen in zwei Jahren folgen könnte, ist in Hannover offen geblieben. Die AfD muß aufpassen, daß sie ihre Wahlerfolge nicht durch eine Selbstblockade ihrer unterschiedlichen Strömungen gefährdet.

AfD-Parteitag in Hannover Foto: picture alliance/dpa

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