Rußlands Präsident Wladimir Putin: Mit Sexmobs gegen Merkel? Foto: picture alliance/AP Images
Meinung

Der Russe war´s

Neueste Enthüllungen zur russischen Politik: Steckte der Kreml hinter dem Kölner Sex-Mob zu Jahresbeginn? Stiftet Putin syrische Agenten zu sexuellen Übergriffen auf deutsche Frauen an, um Stimmung gegen Merkel zu machen? Gustav Gressel vom pro-Brüsseler European Council on Foreign Relations legt in der Bild-Zeitung einen derartigen Schluß nahe: „Ein Teil der Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien, wenn auch nur ein sehr kleiner Teil, hatte Verbindungen zu Assads oder Saddam Husseins Geheimdiensten.“

Die wiederum arbeiteten eng mit russischen Diensten und der russischen Mafia zusammen. Besorgt fragt der Rußland-Experte: „Was würde passieren, wenn sich auf einem Sommerfestival vor der Wahl etwas Ähnliches wiederholt wie in Köln zur Silvesternacht? Wie würde Merkel dann dastehen?“ Das Beispiel bewege sich „im Bereich des Möglichen“.

Die Kommentatoren sind sich so einig wie selten zuvor. Nicht die amerikanischen Wähler haben den falschen Kandidaten auf den Präsidententhron gehievt, nein, es war der Kreml. Dessen Schnüffler haben die E-Mail-Korrespondenz der US-Parteien gehackt und abgehört. Und dann anonym auf Wikileaks gezielt solche Mails veröffentlicht, die das Bild bestätigten, welches Hillary Clintons Kritiker schon lange von der Kandidatin hatten: die „größte Scheinheilige der letzten 30 Jahre US-Geschichte“ (Washington Times).

Ideales Feindbild

Ob eine solche Aktion möglich ist? Für Rußland hat Außenminister Sergej Lawrow die Frage beantwortet, sybillinisch und dennoch hinreichend klar: „Wir haben nichts dementiert. Und uns wurde nichts bewiesen.“
Wenn sich jetzt also herausstellt, daß nicht die Flüchtlinge, sondern der Kreml für die Kölner Übergriffe verantwortlich war? Was ist dann mit dem Amoklauf in München, dem Messerangriff im Zug bei Würzburg, dem Mord an Maria L. in Freiburg?

Der Bild-Leser darf mutmaßen. Dem Blatt käme der Beweis russischer Subversion höchst gelegen. 2015 hatte Bild monatelang mit dem Logo der „Refugees welcome“-Bewegung geworben und die Politik der unkontrollierten Zuwanderung gefeiert. Nach der Kölner Silvesternacht hagelte es dann Kritik, als Bild die Ängste deutscher Frauen thematisierte. Heuchler ihr!

Daß die Leitmedien, längst schon wie in einer Wagenburg verschanzt und zusammengedrängt, in Rußland den idealen Feind gefunden haben, ist nachvollziehbar. Man kann den Russen in der Tat viel vorwerfen, Krim und Ostukraine allemal. Der Kreml macht auch gar kein Hehl daraus: Nach der westlichen Pfeife wird der russische Bär niemals tanzen. Es knarrt im Gebälk. In Moskau hört man jetzt oft ein altes Sprichwort: Wer zu uns mit dem Schwert kommt, wird vom Schwerte sterben. Das gilt im 21. Jahrhundert ebenso wie davor und danach.

Sie raffen es nicht

Ein sträflicher Fehler wäre jedoch, alle Mißstände westlich des Bug pauschal den Moskowitern anzulasten. Entartender Kapitalismus, Entfremdung, Identitäts- und Heimatverlust, vor allem aber das Gefühl, von einer immer ferneren, immer multinationaleren Elite im Stich gelassen zu werden – das haben nicht erst die russischen Propagandisten den Leuten eingeredet. Marine Le Pen und Frauke Petry, Donald Trump und Geert Wilders sind keine Kreml-Marionetten und ihre Wähler auch keine RT-Junkies.

Doch die Wahrheit scheitert an der gläsernen Decke zwischen Redaktionen und Parlamenten und dem Rest der Welt. Ob Bild oder FAZ, ob ZDF oder ARD, es ist wie die Schallplattennadel, die immer in die gleiche Rille springt: Wer nicht so denkt wie wir, dem hat Putin das Hirn gewaschen. Sie raffen es nicht.

Rußlands Präsident Wladimir Putin: Mit Sexmobs gegen Merkel? Foto: picture alliance/AP Images

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