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Meinung: Zurück in die Wirklichkeit

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Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015: Asylbewerber warten vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin Foto: picture alliance/dpa
Meinung
 

Zurück in die Wirklichkeit

Nach wie vor kommen täglich tausende Asylsuchende ins Land, die Verfahren dauern immer noch ewig, die Abgelehnten werden immer noch nicht abgeschoben, die Flutung der Städte und Gemeinden geht weiter, die Demontage des Rechtsstaats, seiner Regeln und Gesetze auch. Und ganz langsam setzt bei einigen Journalisten offenbar das Denken wieder ein. Ein Kommentar von Michael Paulwitz.
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Auf leisen Sohlen schleicht sich die Vernunft zurück ins mediale Dauerfeuer um die Asylkrise. Es ist keineswegs nur der wackere Schweizer Roger Köppel, der als „Neutraler“ besonnene Töne in den hypermoralisch durchdrehenden „Willkommenskultur“-Taumel mischt. Noch vereinzelt, aber immer häufiger wird wieder über Fakten gesprochen – und über real existierende Probleme.

Da twittert Cicero-Frontfeder Alexander Kissler heute kurz nach Mitternacht angesichts der Frontverschiebungen der Asyl-Invasion von Serbien nach Kroatien, nun müsse man „so langsam wohl wirklich das ‘Heerlager der Heiligen‘ lesen, von dem man hier so viel hört“.

Zuverlässige Transmissionsriemen der feuchten Träume der Wirtschaftslobby, die den Asylansturm als Heilmittel gegen Demographiekatastrophe und selbsterfundenen „Fachkräftemangel“ zu preisen pflegt, sinnieren auf einmal nachdenklich über das offenkundige Faktum, wie FAZ und Zeit, daß die Masse der Asylimmigranten zwar jung ist, aber sonst kaum brauchbare „Qualifikationen“ vorzuweisen hat. Sogar ein treuer Konzernflüsterer wie Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart nimmt das in seinem morgendlichen Rundbrief als Beleg für „Merkels Naivität“ und verlangt ein Umschalten „von Symbol- auf Realpolitik“.

Schattenseiten der Asyl-„Bereicherung“

Das ist noch keine Wende. Aber vielleicht ein Indiz, daß der „Wir schaffen das“-Rausch nach Merkels gefühlspolitischer Blamage mit ihrem voreilig ausgestellten Blankoscheck für in Ungarn angesammelte Asyl-Immigranten seinen Höhepunkt überschritten haben könnte und die harte Landung auf dem Betonboden der Wirklichkeit näherrückt.

Ganz ohne Wähler kommt die Politik, zum Leidwesen der Parteistrategen, halt doch nicht aus; deswegen erinnert die baden-württembergische CDU, die nächstes Frühjahr eine Schicksalswahl zu bestehen hat, die Kanzlerin gerade daran, daß die Bilder jubelnder Asylhelfer eben doch nicht repräsentativ sind für die Bürgerschaft, in der sich eher wachsende Beunruhigung breitmacht. „Die veröffentliche Meinung spiegelt nicht die Stimmung in der Bevölkerung wider“, hat Spitzenkandidat Guido Wolf erkannt. Wer hätte das gedacht.

Und ganz ohne Leser und Abonnenten kommen übrigens auch die Zeitungen nicht aus, vor allem die lokalen und regionalen, die auf Dauer nicht ungestraft nur das Gegenteil dessen schreiben können, was ihre Käufer so vor der Haustüre sehen, und deshalb am ehesten auch mal wohldosierte Meldungen über die Schattenseiten der Asyl-„Bereicherung“ durchlassen.

Die Immigrantenströme sind nicht aufgehalten

Soldaten gegen Flüchtlingsfrau mit Kind: So stellt sich die „Bild“ die Situation an der ungarischen Grenze vor Quelle: Bild.de; Foto: JF
Soldaten gegen Flüchtlingsfrau mit Kind: So stellt sich die „Bild“ die Situation an der ungarischen Grenze vor Quelle: Bild.de; Foto: JF

Die auf Beitragszwangsmilliarden weich gebetteten Staatssender freilich treiben die „Willkommenskultur“-Propaganda munter weiter, und der merkelnahe Hofboulevard von der Vierbuchstabenzeitung, deren Chefredakteur Kai Diekmann die linksextreme Parole „Refugees welcome“ zum Motto einer Millionenkampagne gemacht hat, agitiert unverdrossen mit skurrilen Grafiken, die aus wütend die ungarischen Zäune stürmenden Jungafrikanern eine verschüchterte „Flüchtlings“-Frau basteln, die von ungarischen Riesenpanzern bedroht wird.

Doch selbst wenn in Politik und Medien der ein oder andere wieder nachzudenken beginnt: Gelöst ist damit noch gar nichts. Die Immigrantenströme sind nicht aufgehalten, sie suchen sich neue Wege, nach wie vor kommen täglich tausende Asyl-Immigranten nach dem Zufallsprinzip ins Land, die Verfahren dauern immer noch ewig, die Abgelehnten werden immer noch nicht abgeschoben, die Flutung und Überforderung der Städte und Gemeinden geht weiter, die Demontage des Rechtsstaats, seiner Regeln und Gesetze auch.

Medien, die ihre Hauptaufgabe in der volkspädagogischen Bevormundung und Gehirnwäsche der Normalbürger sehen und nicht darin, den Mächtigen auf die Finger zu sehen und ihr Handeln kritisch in Frage zu stellen, sind nicht das geringste Hindernis, das jedem Versuch des Gegensteuerns im Wege steht.

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015: Asylbewerber warten vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin Foto: picture alliance/dpa
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