Meinung

Jetzt wird es richtig teuer

Die lange gehegte Regierungslüge, die „Rettung“ Griechenlands werde Deutschland „nichts kosten“, hat sich mit dem Wahlergebnis vom Sonntag endgültig ins Reich des Absurden und Grotesken verabschiedet. Die Regierungsübernahme durch den linken Volkstribun Alexis Tsipras wird teuer.

Dabei ist Tsipras kein Betriebsunfall, sondern die notwendige Konsequenz der Euro-„Rettungs“-Politik. Man kann es den Griechen nicht verdenken, daß sie einen Hoffnungsträger wählen, der ihnen ein besseres Leben auf Pump verspricht, nachdem die bisherige Umschichtung der griechischen Staatsschulden auf die europäischen Steuerzahler vor allem Banken, Finanzindustrie und ihre Günstlinge, auch in Griechenland selbst, gerettet und noch reicher gemacht hat.

Der griechische Schuldenberg wird weiter wachsen

Die Erwartung, daß andere schon dafür zahlen würden, wenn Griechenland nur im Euro bliebe, hat Tsipras nicht aus der Luft gegriffen. Sie ist die notwendige Konsequenz aus der Ideologie, die Währungsunion um jeden Preis aufrechterhalten zu wollen, trotz aller inneren Widersprüche.

Der Schuldenschnitt, den Tsipras seinen Wählern versprochen hat, wird kommen, auch wenn er vielleicht nicht so heißen mag. „Zugeständnisse“, die die Rückzahlung der Hilfskredite noch weiter auf den Sankt-Nimmerleins-Tag strecken, laufen auf dasselbe hinaus. Das Geld ist weg, der Rest ist Bilanzkosmetik, um nicht zu sagen: Bilanzbetrug.

Selbst wenn man Griechenland, wie auch in Brüssel schon erwogen, mehr als die Hälfte seiner Schulden erließe, wäre das nur ein Aufschub von ein paar Jahren, bis der Schuldenberg von neuem die alte Höhe hätte. Solange der Konsum um mehr als zwanzig Prozent höher liegt als das verfügbare Nationaleinkommen, solange die Wirtschaft schrumpft und der Kapitalstock des Landes an Wert verliert, bringt ein Schuldenerlaß gar nichts.

Der Traum vom Wohlstand aus der Notenpresse

Tsipras träumt – unter dem Beifall der europäischen Linken – den Traum vom Wohlstand aus der Notenpresse: Das Geld, das man verteilen will, wird einfach gedruckt, Sparer und Steuerzahler haften dafür, am besten europaweit. Sehr viel anders denkt man in den Schaltzentralen der Euro-Ideologen auch nicht; Mario Draghi war mit seinem Billionen-Programm für den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB, das faktisch auf Vergemeinschaftung von Staatsschulden und Staatsfinanzierung durch die Notenpresse hinausläuft, Syrizas bester Wahlhelfer.

Die bittere Wahrheit ist: Will Griechenland wieder aus eigener Kraft wieder wettbewerbsfähig werden, muß es den Euro verlassen, um über eine eigene Währung statt über Lohn- und Rentenkürzungen abwerten zu können. Das wäre zwar ebenfalls mit einem Schuldenschnitt verbunden, böte aber wenigstens die Chance zum Neuanfang.

Es geht zu Lasten Deutschlands

Der Versuch, den Euro so weit zu inflationieren, daß er der Wirtschaftskraft der überschuldeten südlichen Krisenstaaten entspricht, bedeutet massive Umverteilung zu Lasten der Nordstaaten, vor allem Deutschlands. Geht der Euro weiter auf diesem Weg, stellt sich schon bald nicht mehr die Frage, ob Griechenland aus dem Euro austritt, sondern wann Deutschland den Euro verläßt: Bevor die Inflation zu galoppieren beginnt – oder nach dem Crash. Die Wahl von Alexis Tsipras könnte sich als Katalysator für das unvermeidliche reinigende Gewitter erweisen.

Die Euro-Rettung als Brüsseler Possenspiel Foto: picture alliance/blickwinkel

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