Getrennt marschieren, vereint schlagen?

„Mit Mann und Roß und Wagen…“ hat der österreichische Wähler die große Koalition geschlagen. Das Resultat deckt sich ziemlich genau mit dem des Jahres 1999. Bezeichnend allenfalls, daß was damals als niederschmetternde Niederlage für die Sozialdemokratie galt, von ihr heute schon als Erfolg gefeiert wird.

Das sogenannte dritte Lager hält bei 29 Prozent, nur wenige Promille hinter der SPÖ. Wahltaktisch zumindest hat das „getrennt marschieren“ von Strache und Haider, FPÖ und BZÖ, zur Stimmenmaximierung sogar beigetragen. Eine Überraschung war insbesondere das Comeback Jörg Haiders, der mit seinem „orangen“ BZÖ knapp die Grünen überrundete.

Jetzt, wo beide vom Wähler für die Sünden der Jahre 2002 folgende eindrucksvoll amnestiert wurden, wäre auch der passende Moment gekommen – nicht für eine „Wiedervereinigung“, die vermutlich bloß neues Funktionärsgezänk auslösen würde, sondern für eine friedliche Koexistenz, die auch ein „vereint schlagen“ erlaubt.

Die SPÖ hat allen rot-blauen Avancen eine Absage erteilt. Ob sich die ÖVP auf eine Mobilisierung der Mitte-Rechts-Mehrheit einläßt, bleibt abzuwarten. Jedenfalls wären FPÖ/BZÖ gut beraten, den Eindruck zu vermeiden, daß ein solcher Versuch ausgerechnet an ihren Unverträglichkeiten scheitert.

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