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Multikultikonservativ

Wenn Younes Ouaqasse, seit letztem Jahr Bundesvorsitzender der Schüler-Union, seine politischen Positionen verbreitet, lacht einem Konservativen das Herz: Denn der Chef von 10.000 CDU-nahen Pennälern verteidigt vehement das bewährte dreigliedrige Schulsystem und ist gegen die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen. Wenn er dann auch noch die „liberale“ Handhabung von Schwangerschaftsabbrüchen beklagt, durch die jährlich in Deutschland 120.000 potentielle ABC-Schützen abgetrieben werden, dann wird klar, daß Ouaqasse innerhalb der C-Partei wohl zu den Hütern des programmatischen Tafelsilbers gehören müßte. Wäre da nicht die Tatsache, daß er bekennender Muslim ist und damit diejenigen, die das „hohe C“ in der Partei betonen, doch eher verstören dürfte. Für Ouaqasse selbst ist das kein Widerspruch: Grundsätzlich sei die CDU ja für alle „Religionszugehörigkeiten“ offen, seien sich „liberales“ Christentum und „offener“ Islam nicht unähnlich. Angesichts solcher Äußerungen jubelt in der Union also eher der Zeitgeist, der gerade wieder die verstärkte Öffnung der Partei für Einwanderer forderte, um wahltaktisch gegenüber der roten und grünen Konkurrenz aufzuschließen. Fernab aller politischen Erwägungen steht der zwanzigjährige Wirtschafts-Abiturient erst einmal für eine beachtliche persönliche Karriere. Geboren in Mannheim als Sohn marokkanischer Einwanderer, wächst er nach der Trennung der Eltern zunächst bei den Großeltern in Nordafrika auf, besucht dort eine Grundschule, in der man Arabisch und Französisch spricht. Mit acht Jahren kehrt Ouaqasse zur Mutter nach Deutschland zurück. Es folgt eine Zeit als migrationshintergründiges Paradebeispiel: mangelnde Deutschkenntnisse, Schulprobleme, „Abhängen“ und „Rappen“ unter Schicksalsgenossen, mit denen nach amerikanischem Vorbild die soziale Randständigkeit des Ghettos zelebriert wird. Doch Mutter und Stiefvater nahmen offensichtlich ihre Erziehungsberechtigung ernst und schickten ihren Sprößling auf Privatschulen, auf denen er zunächst den Hauptschulabschluß erhält und bald das Abitur ablegen wird. Damit belegt Ouaqasse nicht nur die von linken Bildungspolitikern bestrittene Durchlässigkeit des bewährten Schulsystems, sondern auch das Erfolgskonzept bürgerlicher Einstellungen zum Leben – und zur Integration: Es kommt auf private Initiative, Anstrengung und Opferbereitschaft an. Mit dieser Vita und seiner politischen Positionierung steht Younes Ouaqasse für die aus der „multikulturellen“ Revolution entlassenen Kinder; sie sind gewissermaßen Ergebnis einer gleichmacherischen Politik, deren Ideologie sie jedoch ablehnen. Sie haben zweifellos einen Anspruch auf politische Repräsentation; dem einerseits gerecht zu werden, ohne sich andererseits programmatisch – Stichwort: christlich-demokratisch – zu verbiegen, dürfte für Konservative nicht ganz einfach werden.

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