Klaus-Rüdiger Mai Die Zukunft gestalten wir!

 

Kämpfer für Deutschland

Hans Hirzel wird nicht gefragt. Weder wenn es um TV-Dokus geht, noch für den Kino-Erfolg „Sophie Scholl – die letzten Tage“, der am Sonntag in der Ausscheidung um den Oscar für den besten ausländischen Film steht. Denn Hans Hirzel leistet Widerstand. Er tat dies 1942/43 bis zu seiner Verurteilung durch NS-Richter Freisler, er tut dies heute gegen das Regiment der Political Correctness. Daß das ehemalige Mitglied der Widerstandgruppe Weiße Rose und persönlicher Freund der Geschwister Scholl heute als Zeitzeuge tabu ist, liegt nach Aussage seiner Schwester, ebenfalls ehemals in der Weißen Rose, daran, daß er nicht bereit ist, seinen Widerstand in den ideologischen Rechtfertigungszusammenhang des politisch korrekten Zeitgeists zu stellen, sondern darauf beharrt, daß sein Kampf gegen den Nationalsozialismus kein „antifaschistischer“, sondern ein Kampf für Deutschland war. Schlimmer noch, Hirzel bezeugt, daß auch die Scholls ihren Kampf durchaus als einen „patriotischen“ betrachtet haben. So etwas wollen Historiker und Journalisten, die den Widerstand immer auch – oder vor allem – unter „volkspädagogischen“ Gesichtspunkten sehen, nicht hören. Und so finden sich in ihren Beiträgen heute zwar Zeitzeugen, die nur über Hirzel Kontakt zur Weißen Rose hatten, doch er selbst fehlt, wie ein geheimnisvolles „missing link“. Das war nicht immer so. Nach dem Krieg arbeitet der 1924 bei Heilbronn geborene Hirzel als persönlicher Assistent von Adorno und Horkheimer am Frankfurter Institut für Sozialforschung und schreibt für die Frankfurter Hefte. Politisch engagierte er sich in der CDU. In dieser Zeit ist Hirzel als Zeitzeuge gefragt. Das ändert sich, als er 1993 den Republikanern beitritt. Hirzel beruft sich auf seinen Widerstand gegen Hitler, sein Engagement gegen die Ausgrenzung von Juden und einen jüdischen Freund und Holocaust-Überlebenden, der erklärt, „die Republikaner sind die Juden von heute“. Hirzel geht es um den Kampf gegen Vorurteile und Ausgrenzung, damals wie heute. Doch statt die Ausgrenzung der Republikaner zu durchbrechen, verfällt er fortan selbst der Acht. Anders als anfänglich seine Jugendfreunde Hans und Sophie Scholl war Hirzel nie ein begeisterter Nationalsozialist, bezieht statt dessen wegen seiner kritischen Haltung von HJlern Prügel. Hirzel ist Patriot, er sieht die große Errungenschaft Bismarcks, den Deutschen einen Nationalstaat gegeben zu haben, durch die Nazis sittlich und materiell in Gefahr. Er kämpft für das Überleben seines Vaterlandes, damals mittels Flugblättern, später als Partei- und Kommunalpolitiker, gegen die moralische und politische Selbstaufgabe der Nation nach 1968. Daran hindert ihn auch die schwere Krankheit nicht, die ihn mittlerweile fast völlig ans Bett fesselt: Immer wieder kehrt er im Gespräch über seine Lieblingsthemen – Musik, Mathematik, Geschichte oder Religion – zurück zu der Frage, wie Deutschland noch zu retten sei.

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