Joachim Kuhs

 

Im Glauben fest

Wie lassen sich einer vollkommen säkularisierten Kultur die letzten zwölf Stunden im Leben Christi vermitteln? Die 25 Millionen Dollar Produktionskosten des Kinofilms „The Passion“ weisen weder auf eine großartige Machart noch auf ein besonders eindruckvolles Staraufgebot hin. Was also erregt die Gemüter an diesem neuerlichen „Jesus-Streifen“? Ganz einfach: Kritiker wollen eine antisemitische Botschaft in der Handlung ausgemacht haben. Dabei ist bei der öffentlichen Erregung völlig nebensächlich, daß man den Film bisher nicht sehen kann; und wenn er wie geplant im Frühjahr 2004 in die Kinos kommt, werden außerdem nur Altphilologen ihre Freude haben, denn die Dialoge sind auf aramäisch und lateinisch gehalten. Die mediale Verurteilung stützt sich nicht auf die Meinung Tausender Kinobesucher, sondern auf eine selbsternannte jüdisch-katholische Expertenrunde, die das Drehbuch studiert hat. Mit ins Kreuzfeuer der Kritiker geriet auch der Macher dieses Streifens, der bisher unbescholtene Action-Held Mel Columcille Gerard Gibson. Der 1956 in Peekskill/USA geborene Schauspieler wurde mit dem Action-Streifen „Mad Max“ (1978) weltberühmt und festigte sein Image mit Filmen wie „Zwei stahlharte Profis“ (1987) mit seinen drei Fortsetzungsfolgen, in denen er einen Hau-drauf-Polizisten spielt. Nichts besonderes also. Daß Gibson nicht nur „ballern“ kann, zeigte nach seinem Auftritt in Franco Zeferellis Hamlet-Verfilmung (1990) seine zweite Regiearbeit „Braveheart“ (1995). Für das Epos über den Kampf der Schotten gegen die Engländer erhielt Gibson zwei Oscars. Bei dem mehrfach zum „Sexiest Man Alive“ Gewählten suchte man die sonst üblichen Skandale, Drogenexzesse und Ehebrüche vergeblich. Denn Gibson bekennt sich nicht nur zum Katholizismus, er lebt ihn auch. Er besucht regelmäßig die heilige Messe im tridentinischen Ritus und hat mit seiner Frau inzwischen sieben Kinder in die Welt gesetzt. Daß er Kontakte zur traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. hat, bringt ihm den Ruch eines fundamentalistischen Sektierers ein. Denn die Piusbrüder machen Front gegen den sentimentalen Wischiwaschi-Katholizismus, wie er von weiten Teilen des Klerus gelehrt wird. Wenn Gibson nicht mit Dreharbeiten beschäftigt ist, zu denen er seine Familie möglichst oft mitnimmt, lebt er auf seiner Farm in Australien das Leben eines christlichen Familienvaters. Damit gibt Gibson weiter, was er selbst erfahren hat, denn der fromme Schauspieler wuchs in einer glaubenstreuen Umgebung mit zehn Geschwistern auf. Als er zwölf Jahre alt war, wanderte die Familie nach Australien aus, angeblich um nicht in den Vietnamkrieg verwickelt zu werden. Nach anderen Angaben suchte die Familie Gibson schlicht bessere Lebensbedingungen. Bleibt abzuwarten, ob Gibson von der eigenen Hinrichtung durch liberale Terroristen verschont wird. Showdown ist Ostern 2004!

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