Herz am rechten Fleck

Als sich Außenminister Joschka Fischer im Bundestag den Fragen der Parlamentarier zu seiner Vergangenheit stellen mußte, blickte er immer besonders gequält, wenn Wolfgang Thierse der CDU-Abgeordneten Sylvia Bonitz das Wort erteilte. Die erst 34jährige fiel durch besonders scharfe Angriffe auf: Wie sich Fischer vor dem Hintergrund seiner Interviews im Spiegel vom 8. Januar 2001 und im Stern vom 4. Januar 2001, in denen er zumindest den Eindruck erweckt hat, nicht Anstifter zu Gewalttaten gewesen zu sein und selbst keine Waffen genutzt zu haben, seine Äußerung erkläre, „Geht weg von den Bomben (…) greift wieder zu den Steinen“? Das Sitzungsprotokoll kann nicht stöhnen, deshalb antwortet Fischer: „Frau Kollegin Bonitz, wie ich gehört habe, waren Sie gestern bei dem Prozeß anwesend. Das zeigt ein großes Interesse an meiner Zeugenvernehmung.“ Darauf Susanne Kastner (SPD): „Du lieber Gott! Alle, die was werden wollen!“ Sylvia Bonitz sitzt seit 1998 für den Wahlkreis Hameln im Bundestag. Zuvor hat sie als persönliche Referentin des Oberstadtdirektors der Stadt Hildesheim politische Erfahrung gesammelt. In ihrer parlamentarischen Tätigkeit hat sie sich im Bereich der Neuen Medien spezialisiert und ist Mitglied des betreffenden Unterausschusses des Bundestages. Bereits mehrfach hat sich die engagierte junge Frau hervorgetan. Beispielsweise in der Zwangsarbeiterfrage bezog sie als eine der wenigen Position gegen den Gesetzentwurf der Bundesregierung. Ihre Ablehnung begründete sie unter anderem mit der mangelnden Rechtssicherheit für deutsche Unternehmen. Die Verhandlungen hätten „in weiten Teilen unter einem übermäßig großen Einfluß der Jewish Claims Conference gestanden, so daß eine gerechte Mittelverteilung unter allen betroffenen Opfern von Zwangsarbeit fragwürdig ist“. Ebenso beklagte sie, daß niemals die Rede von den deutschen Zwangsarbeitern sei. Sylvia Bonitz spricht eine deutliche Sprache, wie man sie bei vielen ihrer älteren Kollegen schon lange nicht mehr vernommen hat. Zur Green Card erklärte sie, die Zahl der Zuwanderer stehe nicht in angemessenem Verhältnis zu ihrem Nutzen für die Gemeinschaft. „Die Akzeptanz von leistungsstarken Zuwanderern ist nur dann gesichert, wenn gleichzeitig durch eine Abkehr vom individuellen Anspruch auf Asyl zugunsten einer institutionellen Garantie eine massenhaft unkontrollierte Zuwanderung eingedämmt wird.“ Große Aufmerksamkeit erhielt Bonitz für ihren Vorstoß zu der von der CIA geraubten sogenannten Rosenholzdatei, der Klarnamendatei der MfS-Außenspionage. „Bevor die etwa 30.000 Stasi-Spitzel im Westen die Sektkorken knallen lassen“, wollte Bonitz handeln. Der Bundesregierung warf Bonitz vor, sie wolle nicht, „daß bestimmte Dinge für die Öffentlichkeit transparent werden“ – etwa, wie viele Westpolitiker mit der Stasi zusammenarbeiteten. Der SPD-Abgeordneten Kastner ist beizupflichten. „Du lieber Gott!“ Wenn die Bonitz mal was wird.

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