Euro adieu

Man ist versucht, ein Wort Talleyrands zu variieren: Die inzwischen ernsthaft diskutierte ausländische Finanzhilfe für das bankrotte Griechenland ist schlimmer als ein Vertragsbruch – sie ist eine Dummheit. Sie ruiniert den Euro und hilft weder Europa noch den Bankrottländern. Das Geld dafür muß in den Etats der noch intakten Euro-Länder aufgebracht werden. Oder die Europäische Zentralbank (EZB) „druckt“ es und kauft die Athener Schrottpapiere und morgen die Portugals, Irlands oder Spaniens an.

Belgien, Italien und Frankreich warten nur auf diesen Vertragsbruch, denn ihre Lage ist ähnlich. Als Zahler bleiben nur Deutschland, die Niederlande, Finnland und Luxemburg. Das bislang als EU-Nettozahler aufgetretene Österreich ist durch sein Balkan-Engagement inzwischen selbst in der Bredouille. Merkt denn keine Bundesregierung, daß sie mit den EU-Verträgen von Maastricht bis Lissabon das alte Besatzungsstatut erneuert hat? Brüssel befiehlt, Berlin pariert, was Karlsruhe nicht verhindern kann. Der Konkurs der überschuldeten Länder wird durch eine Finanzhilfe nicht abgewendet, er greift dafür auf die Helfer über. Und warum sollen erstere ihren Status verändern, wenn letztere ihn mit ihrem Geld aufrechterhalten wollen? Der Euro steht am Abgrund, und Europa wäre froh, wenn es die D-Mark noch gäbe.

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