Joachim Kuhs

 

Zenit überschritten

Auf den ersten Blick war der Wahlsonntag für die NPD ein Erfolg. In Sachsen gelang ihr erstmals der Wiedereinzug in ein Landesparlament. Auf den zweiten Blick waren die Landtagswahlen eine unsanfte Begegnung mit der Realität. In Thüringen verpaßte die NPD mit 4,3 Prozent den von den Parteistrategen fest eingeplanten Einzug in den Landtag. Im Saarland stürzte die Partei gar von vier auf 1,5 Prozent ab. Und auch das sächsische Ergebnis ist ein Absturz: Die Zahl der Wähler ging gegenüber 2004 von 190.000 auf 100.000 zurück. Das Auftreten der Partei im sächsischen Landtag, wo sich die Fraktion – von Skandalen und bizarren Auftritten begleitet – in den vergangenen Jahren von zwölf auf acht Abgeordnete dezimiert hat, dürfte viele Wähler verschreckt haben.

Diese Ergebnisse erinnern daran, daß die Partei 2004 auf der damaligen Anti-Hartz-IV-Welle in den Landtag gespült worden war. Ein Umstand, der in den vergangenen Jahren nicht nur von vielen Anti-NPD-Kämpfern gerne ausgeblendet wurde, die nicht müde werden, vor einem drohenden Durchmarsch der Partei zu warnen. Auch in der Partei war dies in Vergessenheit geraten. Nun zeigt sich: Die NPD hat, begleitet von Richtungskämpfen, Finanzkrise, schleichender Radikalisierung und hartnäckiger NS-Nostalgie, ihren Zenit überschritten.

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