Verteufelter Rettungsanker

Gegen Atomkraftwerke zu sein, hat sich in Deutschland in den letzten 40 Jahren zum verschlackten Bestandteil des Katalogs politischer Korrektheiten entwickelt. Nach dem Beschluß der europäischen Nachbarländer zum Bau neuer Kernkraftwerke gerät diese Position ins Wanken. Vollends erschüttert hat die Atomkraftgegner jedoch die Entscheidung Schwedens, den vor 30 Jahren beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraftnutzung aufzuheben. Das Vorzeigeland der Anti-Atom-Aktivisten spricht die Wahrheit offen aus: Ohne AKWs geht es nicht. Das (vorgespielte) Entsetzen der (Realo-)Grünen überbietet der perplexe SPD-Umweltminister, fassungslos ob der fulminanten Sackgasse, in die seine Partei durch die Nachäfferei der grünen AKW-Phobie geraten ist. Geheuchelt ist aber auch die Mahnung der Unionsparteien zu mehr Realitätsbewußtsein in der Atomenergiefrage. Sie hätten das viel früher verdeutlichen müssen. Die seit langem unbeirrbaren Befürworter der Kernenergie haben daher keinen Grund zu überheblichem Siegesjubel. Das Ansehen der Kernenergie ist jahrzehntelang politisch-systematisch in den (Entsorgungs-)Dreck gezogen worden. Jetzt sind der verunsicherten Bevölkerung mühsam die Vorteile wieder klarzumachen.

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