Prognosen ohne Wert

Er liebt mich, er liebt mich nicht“. An das Gänseblümchenspiel könnte man bei dem, was seit Jahren im Streit um Irans Atomprogramm zwischen Teheran und Jerusalem abgeht, denken – wenn es dabei nicht nur um Haß ginge, um Drohungen und Täuschung, politische Verbohrtheit und religiösen Wahn. Doch manches erinnert an das Spiel, das nur auf Zufall setzt: „Er baut die Bombe, er baut sie nicht. Ob er sie aber in einem Jahr baut, in fünf oder aber, ob er sie überhaupt nicht baut, ist nicht gewiß.“ Mit Israel, das schon Hunderte Atombomben gebaut hat, ist es ähnlich: „Israel bombardiert den Iran, es bombardiert ihn nicht. Ob es aber noch dieses Jahr oder erst nächstes oder ob es aber überhaupt nicht bombardiert, ist nicht gewiß.“

Sie sind selbst schuld, die Netanjahus und Ahmadinedschads, die sich in ihren Fieberträumen so ähnlich sind, daß einen der Hickhack um Bomben aus oder auf den Iran langsam langweilt. Denn jede Prognose, die heute gemacht wird, kann morgen schon ohne Wert sein. Keiner weiß, was Desinformation oder Tatsache ist. Keiner weiß genau, wann der Iran Atomwaffen bauen kann und ob er sie dann tatsächlich baut. Selbst dann spricht nichts dafür, daß er mehr damit anfinge als Israel mit den seinen. Mit einem Satz: Keiner weiß, wohin die Reise geht. Und der Blick in die Glaskugel ist nichts für politische Analysen.

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