Im Zweifel an die Macht

Die demoskopischen Schreckensmeldungen mögen von der Parteizentrale nach Kräften relativiert werden – doch unverkennbar ist die SPD in der Krise. Davon zeugen die alarmierten Stimmen in den eigenen Reihen, in denen die Panik vor dem Wahljahr 2009 durchdringt. Da wird der brav-bärtige Landesvater-Typ Beck zur Schreckensfigur derzeitigen Niedergangs und kommender Wahlniederlagen. Nichts als Ablenkung. Denn auch die sich politisch soviel smarter fühlenden Genossen haben keine Antwort auf die Spaltungsfrage: In Keuschheit vor dem Sozialismuslager des abtrünnigen Lafontaine verharren oder die Machteroberung in einem Linksbündnis suchen? Dies wird zur Zerreißprobe für die längst nicht mehr dicht geschlossenen SPD-Reihen. Doch die Parteienkonkurrenz sollte sich nicht zu früh freuen, mehr vor der Wahl als danach. Denn Machtverzicht, wenn sich die Chance einer Regierungsübernahme nach der Wahl bieten sollte, ist die Sache einer schon heute stark erröteten SPD nicht. Ypsilanti blieb ein Phantom – weil es nicht ganz langte mit der Linken. Nicht zuletzt dieser Schock spiegelt sich in den Umfragewerten. Doch der verspielt sich durch Gewöhnung. Das beweist Wowereit. Heinz Klaus Mertes war Moderator des Politmagazins „Report München“ und TV-Chefredakteur beim Bayerischen Rundfunk. Er ist heute Medienunternehmer.

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