Superwahljahr

 

Bizarres aus dem Knast

Heiße Ware aus dem Knast“: Dieses Konzept der Hamburger Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel wirbt mit der Auszeichnung 2007 der „Initiative Deutschland — Land der Ideen“. Dabei werden nicht etwa nur Papiertüten aus dem als „Santa Fu“ bekannten Gefängnis gehandelt. Vom Erlös der meist textilen Produktpalette geht ein Teil an die Opferhilfsorganisation Weißer Ring. „Die Gefangenen verstehen ihre Arbeit an den Santa-Fu-Produkten auch als ein Stück Wiedergutmachung“, wirbt die JVA. So lag es nahe, daß die nun nach über hundert Jahren ausrangierten fünfzig 85 Kilo schweren Zellentüren ebenfalls als Heimausstattungsobjekte „für den coolen Partykeller oder die verrückte Bar“ unters Volk gebracht werden. Selbst der bekannte Schauspieler Jan Fedder kaufte für 397 Euro eine stahlbeschlagene Eichentür für sein Bauernhaus. Vergangene Woche machte jedoch Hamburgs Justizsenator Till Steffen diesem Treiben „mit sofortiger Wirkung“ ein Ende. „Das Gedenken an die Opfer im Nationalsozialismus darf nicht beschädigt werden“, begründete der grüne Politiker diesen Schritt. Fuhlsbüttel sei Teil des NS-Verfolgungsapparates gewesen, einige Häftlinge später im Konzentrationslager gelandet, sprang Innensenatssprecherin Christiane Schneider ihrem Kollegen begründend bei. Während nun alle Verkäufe zugunsten einer korrekten Entsorgung rückgängig gemacht werden — auch Fedder äußert sich betroffen, „von der KZ-Sache nichts gewußt“ zu haben —, fordert die Bürgerschaftsfraktion der Linken in höchster Bewältigungslust Senator Steffen sogar auf, sich für „diese unerträgliche Weihnachtsaktion bei den Überlebenden der Nazi-Diktatur zu entschuldigen“.

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