Am antifaschistischen Pranger

Er wolle den Zeitungsmachern ja „nichts Böses“ unterstellen, „aber das ist für uns sehr ärgerlich“, sagte am vergangenen Freitag der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Wille im Kreistag des brandenburgischen Landkreises Dahme-Spreewald. Dabei könnte die Sache für seine Genossen noch äußerst pikant enden. Nach der Kommunalwahl in Brandenburg am 27. September hatte nämlich die linksextremistische Zeitschrift Streßfaktor, die auch als „Terminkalender für linke Subkultur und Politik in Berlin“ eine Interpräsenz hat, Namen und Anschriften von Wahlkandidaten veröffentlicht. Dies war als indirekter Aufruf gedacht, NPD- oder DVU-Kandidaten durch nötigende Maßnahmen wie öffentliches Denunzieren oder „Besuche“ aufrechter Antifaschisten „in den Folgejahren ihrer Handlungsfähigkeit zu berauben“, wie die Herausgeber in ihrer kostenlosen Monatsschrift stolz bekennen. Diese gängige Praxis wurde bisher auch von Vertretern der „demokratischen Parteien“ mit klammheimlicher Freude gern geduldet. Dummerweise finden sich am Antifa-Pranger des Blättchens durch einen Fehler die SPD-Kandidaten wieder. „Spätestens bei der Vielzahl der Namen hätte doch jemandem auffallen müssen, daß da etwas nicht stimmen kann“, empört sich Wille in der Märkischen Allgemeinen Zeitung. „Wir haben Leute, die nicht so bekannt sind und die nun in Erklärungsnot kommen können. Dabei sollte klar sein, daß wir mit Rechtsextremen nichts zu tun haben.“ Der SPD-Landesverband wurde eingeschaltet, um die weitere Verteilung zu stoppen. Unklar ist nur, wie viele voreilige Antifas mit Daten der Genossen nun zur aufrechten Tat schreiten werden.

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