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Weniger und doch mehr

Die Zahl der Asylbewerber ist auf den niedrigsten Stand seit 1983 gesunken. Nur 29.000 Personen haben 2005 Asyl beantragt. Anfang der neunziger Jahre kamen monatlich so viele. Immer beriefen sie sich dabei auf Artikel 16 im Grundgesetz: „Politisch Verfolgte genießen Asyl“. Ansonsten hat sich wenig geändert. Die meisten kommen aus ökonomischen Gründen. Gerade mal 411 Personen wurden als asylberechtigt anerkannt. Interessant sind die Herkunftsländer: So ist die Zahl der aus dem (gerade befreiten) Irak eingereisten um über 50 Prozent in die Höhe geschnellt. Ganz weit vorne bei den Herkunftsländern liegt auch der EU-Beitrittskandidat Türkei. Gründe für den Rückgang der Asylbewerberzahlen gibt es viele, etwa die Drittstaatenregelung. Doch dank des legalen Familiennachzugs, der „Einwanderung“ durch den Kreißsaal und infolge des neuen Staatsbürgerschafts- und Zuwanderungsrechts sinkt die Zahl der „Menschen mit Migrationshintergrund“ nicht. Nur benötigten heute viele nicht mehr den Umweg als Asylbewerber, um nach Deutschland zu gelangen. Und Deutschland ist längst nicht mehr so attraktiv wie früher – nach Jahrzehnten der Mißwirtschaft und der Verschwendung. Jeder fünfte Arbeitslose in Europa ist in Deutschland gemeldet. Da gehen auch Zuwanderer aus Nordafrika oder aus Asien lieber nach Großbritannien, Schweden oder in die Niederlande. Wenn es nicht so furchtbar traurig wäre, könnte man fast darüber lachen, daß die Wirtschaftsmisere unsere Integrationsprobleme wenigstens ein Stück weit lindert.

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