Joachim Kuhs

 

Gar nicht lecker

Vor zwei Wochen landete der Reis mit Gulasch auf dem Kantinenfußboden. Die über den „Fraß“ empörten Asylbewerber in der Zentralen Aufnahme- und Ausländerbehörde (ZAAB) Blankenburg bei Oldenburg protestierten damit gegen die „menschenunwürdige Unterbringung“, „Zwangskasernierung“ und die Verweigerung der Behörde, Euro statt Essen auszuteilen. „Wir wollen Geld haben, damit wir uns etwas kaufen und dann selbst zubereiten können“, sagte der Palästinenser Michael Yakoub Hana, der für die etwa fünfzig Protestler unter insgesamt 550 Asylbewerbern spricht. „Die vierzig Euro Taschengeld sind zu wenig“, erklärt auch der Schwarzafrikaner Daasi aus Kamerun in der Oldenburger Nordwest-Zeitung. Mittlerweile kommt das Asylbewerberheim nicht mehr zur Ruhe. Die Polizei mußte bislang an elf Tagen mit bis zu dreißig Mann ausrücken, um Randale und Nötigung von „Streikbrechern“, die den ausgerufenen Kantinenboykott umgehen wollen, zu unterdrücken. Einige Bewohner drohten bereits mit Eskalation: „Nächste Woche brennt es hier“, wurde Christian Lüttkau, Leiter der ZAAB, bedroht. Der kann die Kritik am Essen und den Unterkünften „überhaupt nicht nachvollziehen“ und sieht neben einer Minderheit von Rädelsführern den Aufruhr von außen gesteuert. Besonders Linksextremisten des „Antirassistischen Plenums“ unterstützen die Asylbewerber ideell und materiell. Scheinbar hat Lüttkau die Lage richtig eingeschätzt: Am Sonntagabend wurde sein Privathaus von zwanzig Vermummten „aufgesucht“. Laut Polizeibericht sei es dabei aber nur zu „leichten Tätlichkeiten“ gekommen.

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