Hugo Müller-Vogg: Vernachlässigung der konservativen Wählerklientel Ursache für Krise der CDU

In einem Interview mit der am Freitag in Berlin erscheinenden Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT übt der Journalist und Merkel-Biograph Hugo Müller-Vogg heftige Kritik an der Verfassung der CDU. Eine wesentliche Ursache für die „schwere Krise“ der Partei liege darin, „Wertkonservative in die Wahlenthaltung zu treiben“, so Müller-Vogg. Vor allem der völlige Rückzug aus einer eigenständigen Gesellschaftspolitik habe der Partei schwer geschadet, denn „mit Wirtschaftspolitik alleine lassen sich keine Wahlen gewinnen. 

Gerade die bürgerlichen Wähler erwarten von der Union, daß sie auch in der Gesellschaftspolitik klar Position bezieht, sich zu traditionellen Werten bekennt.“ So hätte sich Angela Merkel zum Beispiel im Fall des bundesweit bekanntgewordenen Kindergarten-Streits von Dietzenbach „voll hinter die Parteifreunde in Hessen stellen müssen“. Doch leider traue sich die Union nicht, „sich zum Konzept einer deutschen Leitkultur zu bekennen“. Statt dessen lebe die Parteiführung „in ständiger Angst, irgendwer könnte sie der politischen Unkorrektheit bezichtigen“. Wähler gewinne man jedoch nicht, „indem man sein Mäntelchen ständig nach dem Wind hängt, sondern durch Standfestigkeit“. 

Müller-Vogg resümiert, die CDU habe mittlerweile ihre Kampagnenfähigkeit vollständig verloren, „stattdessen regiert das Motto: ‘Allen wohl und niemandem wehe’ … Dabei grummelt es heftig an der Basis … und eine neue bürgerliche Protestpartei hätte theoretisch große Chancen“, so Müller-Vogg abschließend.

Dr. Hugo Müller-Vogg war von 1988 bis 2001 Mitherausgeber der FAZ, heute ist er freier Autor und regelmäßiger Kolumnist bei Bild, Welt am Sonntag und N24. 2005 veröffentlichte er die „erste autorisierte Merkel-Biographie“: „Angel Merkel – Mein Weg“ (Hoffmann & Campe)

V.i.S.d.P.: Thorsten Thaler, Chef vom Dienst, Hohenzollerndamm 27a, 10713 Berlin

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