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Ein europäisches Problem

Das Ergebnis war denkbar knapp: 55,4 Prozent der Montenegriner sprachen sich für die Unabhängigkeit ihres Landes und damit für das Ende des Staatenbundes mit Serbien aus. Diese Volksabstimmung war einer der wenigen Fälle in Europas Geschichte, in denen das Selbstbestimmungsrecht der Völker wirklich zur Anwendung kam. Aber mit der Rückkehr des Landes der „schwarzen Berge“ in die europäische Staatenfamilie werden über kurz oder lang eine Reihe von Problemen auf die Europäische Union zukommen. Erstens schreitet mit der Unabhängigkeit der vormaligen jugoslawischen Teilrepublik die Fragmentierung des Balkans in Kleinstaaten, deren wirtschaftliche Überlebensfähigkeit von vielen angezweifelt wird, weiter voran. Zweitens wird die Unabhängigkeit Montenegros nicht ohne Folgen für den Kosovo bleiben. Die internationale Gemeinschaft, allen voran die EU, wird Pristina nur schwer vorenthalten können, was sie Podgorica nach einigem Zögern doch zugestanden hat. Und drittens bedeutet die Eigenstaatlichkeit des kleinen Balkanlandes einen schweren Schlag für das nationale Selbstbewußtsein der Serben, was wiederum chauvinistische Trotzreaktionen des Schlüssellandes am Balkan hervorrufen könnte. Ob Brüssel all diese Herausforderungen bewältigen wird, erscheint aufgrund der bisherigen, zweifelhaften Balkanpolitik der EU mehr als fraglich. Andreas Mölzer , FPÖ, ist Mitglied des Europäischen Parlaments.

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